Wildwechsel-Interview mit
H-Blockx

"Gott rockt mit"




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it dem neuen Album „No Excuses“ sind die H-Blockx derzeit auf Clubtournee - der Ww präsentierte das Konzert am 17.11. im Kreuz Fulda. Wildwechsel-Mitarbeiter Olaf Neumann sprach mit Sänger Henning Wehland.

Wildwechsel: Die H-Blockx sind scheinbar alles andere als eine eingeschworene Gemeinschaft. Warum kommen und gehen bei euch die Musiker so oft?
Henning Wehland: (lacht) Wahrscheinlich sind wir Charakterschweine! Finde mal jemanden, mit dem du dich in allem Bereichen identifizieren kannst! Dieser hohe Anspruch macht es für die neuen Mitglieder nicht gerade leicht und führt immer wieder zu Spannungen. Das Schöne: Dave Grappa ist jetzt wieder dabei.

Wildwechsel: Die Single „Leave Me Alone“ drückt viel Frust aus. Wer soll sich angesprochen fühlen?
Henning Wehland:
Diejenigen, die gemeint sind, wissen das schon! Das Stück ist aus der Situation heraus entstanden, dass ich eigentlich ein harmoniebedürftiger Mensch bin, aber ab und an lernen muss, den Mittelfinger zu zeigen und zu sagen: Lasst mich in Ruhe!

Wildwechsel:
„Celebrate Youth“ beschäftigt sich mit dem Jugendkult. Wie gehst du als Rockstar mit dem Älterwerden um?
Henning Wehland: Wenn man die 30 überschritten hat, muss man sich langsam die Frage stellen, ob es überhaupt noch Sinn macht, sich mit solch einer Kapelle auf die Bühne zu stellen. Ist man wirklich noch so wahnsinnig crazy, wie man es den Leuten immer erzählt? Für mich als Musiker ist es wichtig, das Gefühl zu haben, ich tue das Richtige. Dann ist das Risiko, peinlich zu wirken, relativ gering.

Wildwechsel:
Sarah Connor startet mittlerweile in Amerika durch. Die H-Blockx sind dort vor fünf Jahren mehr oder weniger erfolgreich gewesen. Warum schaffen nur wenige deutsche Künstler den Durchbruch in den USA?
Henning Wehland:
Wir hatten dort eine sehr gute Zeit mit einem Vertrag bei einem US-Label, Top-Ten-Platzierungen in den verschiedensten College-Radio-Charts und Auftritte mit Eminem, Ice-T., Black Eyed Peas, Blink 182. Und das Beste: Johnny Cash lobte damals unsere Version von „Ring Of Fire“. Selbst wenn alles gut läuft, heißt das noch nicht, dass man als deutsche Band in Amerika viele Platten verkauft. Dort gibt es einfach zu viele gute Rockgruppen.

Wildwechsel:
Der Plattenindustrie geht es so schlecht wie nie. Stehen Musiker heute unter größerem Druck?
Henning Wehland:
Wir nicht. Für uns kann es nur besser werden. Unsere kommerziell beste Zeit liegt genau zehn Jahre zurück, seitdem ist es stetig schlechter geworden und wir mussten uns mit der Tatsache anfreunden, dass wir nicht allein von den Plattenverkäufen leben können. Im Moment wird in der Musikbranche zwar alles umstrukturiert, nach wie vor sitzt aber der Musiker am längeren Hebel.

Wildwechsel:
Du schreibst an einem Buch. Wovon handelt es?
Henning Wehland:
Eine Zeit lang hat mich der Sinn des Lebens so sehr beschäftigt, dass ich da­zu eigene Theorien aufgestellt habe. Daraus sind nach und nach 300 Seiten entstanden. Irgendwann las ich mir das Manuskript durch und verstand überhaupt nichts. Seitdem ist das Projekt auf Eis gelegt.

Wildwechsel:
Der Sinn des Lebens ist aus deiner Sicht eng mit Glauben verbunden. Fließt dieser Glaube in die Musik der H-Blockx ein?
Henning Wehland:
Der Glaube hilft mir, mich als Mensch besser zu entwickeln und besser kennen zu lernen. Mit der Kirche als Institution kann ich allerdings überhaupt nichts anfangen. Glaube ist für mich etwas Anarchistisches, etwas Nicht-Politisches. Er lässt sich nicht in die hierarchischen Strukturen der Kirche einbinden.

Wildwechsel:
Willst du die Menschen bekehren?
Henning Wehland:
In Amerika lebte ich ein Jahr lang in einer fundamental orientierten Gemeinde. Die haben aggressiv versucht, Leute zu bekehren. Das halte ich für sehr gefährlich.

Wildwechsel:
Können Künstler zwischen den zerstrittenen Glaubensgemeinschaften vermitteln?
Henning Wehland:
Zuerst einmal glaube ich nicht an einen Krieg der Religionen. Wenn George Bush den so genannten Antichristen aus dem Irak vertreiben will, dann geschieht dann in erster Linie wegen des Öls und nicht wegen seiner religiösen Überzeugung. Wie so häufig ist der Glaube auch hier nur eine Ausrede.

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