1Der “13th Star”, Nanny-States und StarpotentialEin Interview mit Fish im Mainzer KUZ am 20.11.07
Von Jana und Arndt Planz Ein Interview mit Fish hat immer seine Besonderheiten. Bereits Anfang 2001 hatte ich mit Alexander Schopbach das Vergnügen anlässlich des Warm up Gigs mit 150 Zuschauern zur Fellini Days Tour im schottischen Dalkeith dem Meister einige Fragen zu stellen. Damals hatte Alex den Hauptteil der Fragen zu stellen, diesmal sollte ich der Hauptakteur sein, aber kräftig unterstützt von meiner Frau Jana.
Nachdem uns der Schotte im letzten Jahr mit seiner “Return to Childhood”-Tour überraschte, die wir zweimal (Prog-Rock-Festival Loreley und Phoenixhalle Mainz) besuchten, nahm er sich dieses Jahr das nächste Jubiläumsalbum seiner alten Band Marillion vor.
Das 1987 veröffentlichte Album “Clutching at straws” sorgte schon im gleichen Jahr in der Frankfurter Festhalle für musikalische Unterhaltung der besonderen Art.
So ist es nicht verwunderlich, dass die diesjährige Tour, mit der auch das neue Album “13th Star” promotet werden soll, unter dem Motto “Clutching at stars” steht und natürlich eine Menge alte Marillion Fans, aber auch jüngere Zuschauer zu den Konzerten pilgern.
Fish’s neuestes Werk “13th Star” ist bisher noch nicht im Handel erhältlich. Es kann jedoch per Mail-Order über den Fan-Club (www.the-company.com) bezogen werden. Die kommerzielle Veröffentlichung ist für Februar nächsten Jahres geplant.
Wildwechsel:
Das Konzert auf der Loreley (Anm.: Night of the Prog II) beinhaltete neben den Liedern des “Clutching at straws”- Albums auch einige Songs des noch nicht erhältlichen Albums “13th Star”. Wie bist du auf die Idee gekommen, Lieder zu performen, die bis dato noch niemand kannte?
Fish: Das Album haben wir im Juni 2007 fertig gestellt. Vorrang hatte aber die “Clutching”- Tour. Da die Songs des neuen Albums zum alten Material passten, bot sich dies an. Per Mail-Order war das Album über den schottischen Fan-Club bereits erhältlich, so dass circa 20% der Besucher mit den neuen Songs vertraut waren. Natürlich was es auch eine gute Gelegenheit, die neuen Songs zu promoten.
Wildwechsel: Magst du eigentlich das Flair auf der Loreley?
Fish: Ich mag es sehr! Die Loreley ist ein großartiger Platz. Im nächsten Jahr bin ich mit meiner Band wieder dort (Anm.: Night of the Prog III, 18.-20.07.2008).
Wildwechsel: Planst du jetzt in jedem Jahr einen Gig auf der Loreley?
Fish: Ich weiß es nicht. Wie spielen dann (in 2008) zum dritten Mal hintereinander. Es macht viel Spaß. Eine feste Planung existiert jedoch nicht. Wir werden sehen.
Wildwechsel: Wie kamst du auf die Idee, die 20 Jahre alten Songs des “Clutching”-Albums mit den neuen Songs des “13th Star”-Albums zu spielen?
Fish: Nun, die “Misplaced”- Tour im letzten Jahr war sehr erfolgreich. In 2004 war ich nicht sicher, ob ich jemals ein neues Album machen würde (Anm. damals brachte er das „Field of crows“ Album heraus). Ich brauchte irgend ein Projekt, um mich weiter zu entwickeln. Und nun ist es ein großer persönlicher Erfolg für mich, das neue Album zusammen mit dem nächsten Jubiläumsalbum (Anm.: das nächste Album nach “Misplaced Childhood”) zu spielen, welches ohnehin mein Lieblingsalbum mit Marillion ist.
Das Ganze funktioniert ziemlich gut. Es ist natürlich auch eine kommerzielle Sache. Die Leute kommen, um das “Clutching”-Material zu hören. Einige kennen meine Solo-Alben gar nicht. Aber es ist nun mal mein neues Album und ich finde, dass es mein bestes ist.
Wildwechsel: Die Songs des neuen Albums passen perfekt zu den alten “Clutching”-Sachen.
Fish: Das tun sie, sie passen sehr gut zusammen.
Wildwechsel: War das beabsichtigt oder reiner Zufall?
Fish: Das war Zufall. Ich denke, dass die Songs sich gut kombinieren lassen.
Wildwechsel: Was steht eigentlich hinter dem Album “13th Star?
Fish: Im Großen und Ganzen ist es ein lyrisches Konzept. Es ist eine Reise zu Selbstentdeckung und Respekt, eine Geschichte über neue Lieben, verlorene Lieben, eine Geschichte über Beziehungen und eine Geschichte über jemanden, der aus seinem banalen Alltag ausbricht, um seinem Leben eine neue Richtung zu geben.
Der “13th Star” selbst ist auch mein 13. Studioalbum (inkl. der Marillion - Alben), Nr. 13 ist auch irgendwie gut für mich.
Ich habe das “Star” - Motiv in Ägypten entdeckt. Und ich dachte mir, Sterne waren schon immer Sinnbild für Reisen und Suchen.
Letztendlich ist es auch meine eigene Geschichte, gerade wegen der Erlebnisse im letzten Jahr. Ich entdeckte, das bisher 12 Frauen eine bedeutende Rolle in meinem Leben gespielt haben, inklusive meiner Mutter, verschiedenen Freundinnen und natürlich meiner Tochter.
Und nun folgt die Suche nach der Nr. 13, der Lucky Lady.
Wildwechsel: Der Lucky Lady?
Fish: Vielleicht...
Wildwechsel: Jetzt zu dem Song “Manchmal”: In Erfurt hast du gesagt, du magst deutsche Wörter, weil sie sehr harmonisch klingen. Über “Manchmal” hast du sogar gesagt, dass es ein sehr sexy Wort ist.
Fish: Ja, ja, eine ganze Reihe von deutsche Wörtern klingen wirklich sehr sexy. Für den Song hat es sich irgendwie ergeben.
Wildwechsel: Wird es dann in Zukunft mehr Songs von dir in Deutsch geben?
Fish: Frag mich das noch mal beim nächsten Album!
Wildwechsel: Hast du eigentlich eine Veränderung bei den Besuchern der Konzerte bemerkt oder dominieren nach wie vor die “Die hard” - Fans?
Fish: In Gegenden, wo wir eine gute Vermarktung und Werbung haben, kommen eine Menge junger Leute zu meinen Konzerten. In anderen Gegenden, wo das Marketing nicht so gut funktioniert, überwiegen aber die “Die hard” - Fans.
Ich hoffe, mit “13 th Star” einiges zu erreichen. Wenn das Album im Februar veröffentlicht wird, hoffen wir, dass eine Menge Leute darauf aufmerksam werden, du weißt es ist ein großartiges Album!
Wildwechsel: Es ist wirklich ein großartiges Album geworden!
Fish: Vielen Dank. Aber die Leute kennen nur mein Material aus den 80ern, wissen aber meist nicht, was ich heute mache. Das ist mein größtes Problem.
Wildwechsel: Bist du denn zufrieden mit den Zuschauerzahlen?
Fish: Man will immer mehr! Aber ich weiß genau, dass in Deutschland sowie in ganz Europa dass Geld nicht mehr so locker sitzt, so dass Konzertbesuche weniger werden und kaum noch Merchandise - Material verkauft wird.
Wildwechsel: In Erfurt wurde aber sehr gut verkauft...
Fish: Ja, es läuft ganz gut. Das hängt aber auch damit zusammen, dass wir sehr günstig produziert haben und dann natürlich günstig verkaufen können (Anm.: T-Shirt 20€). Die Gewinnspanne ist dabei natürlich ziemlich klein.
Wir verkaufen momentan auch ausschließlich bei den Konzerten und im Internet über Mail-Order. Das funktioniert auch ganz gut. Die Leute hören und sehen die Sachen auf den Sites, finden es gut und kaufen sie..
Wildwechsel: Ist das Internet die Zukunft?
Fish: Es ist die Grundlage meiner (Solo)Karriere, eine wirklich wichtige Sache! Es hat sich viel verändert in den letzten Jahren.
Wildwechsel: Was wirst du nach der Tour tun? Deine nächsten Projekte?
Fish: Wir werden bis September nächsten Jahres touren, wenn möglich weltweit. Ich muss einfach mal eine längere Zeit raus aus Schottland, weg von der Kälte und Dunkelheit.
Wir werden u. a. jeweils für einen Monat nach Amerika und Großbritannien gehen, danach folgen ein paar Konzerte auf der “Rock Classics Tour” für 2 oder 3 Wochen. Anschließend kommen wieder Konzerte in Europa. Ich hatte eigentlich auch gehofft, während der (Fußball-) Europameisterschaft spielen zu können, du weißt schon: Fußball, Konzert, Fußball, Bier, Konzert, Bier, Fußball etc., aber durch die Italiener (Anm.: Hier gab es natürlich viele Beschreibungen, die wir aus Höflichkeitsgründen nicht wiederholen wollen...) Hat sich das ja erledigt. Im September werden wir zurück nach Großbritannien gehen und dann vielleicht noch mal Amerika und Kanada. Aber das hängt dann von den finanziellen Mitteln ab. Der Dollarkurs ist zur Zeit nicht optimal für uns. Es ist ohnehin schon schwierig, in den USA zu spielen, da die Steuern extrem hoch sind (Anm.: Hier folgte nun ein mehrminütiger Vortrag über die Krise des amerikanischen Bankensystem und die Auswirkungen auf den europäischen Markt. Die Einzelheiten wollen wir dem musikinteressierten Leser jedoch ersparen.)
Wildwechsel: Was sind das denn für Konzerte bei der “Rock Classics Tour”?
Fish: Wir werden mit einem kompletten Orchester und der SAS-Band spielen. U. a. in Wien, Berlin, Leipzig und Stuttgart. Dann sollen noch ein paar Konzerte in Holland folgen, wenn es klappt. Aber da ist bisher noch nichts organisiert.
Wildwechsel: Und im Anschluss?
Fish: Wir werden mit den Arbeiten am neuen Album beginnen. Das Team wird auch das gleiche sein.
Wildwechsel: Wird es schon im nächsten Jahr ein neues Album geben?
Fish: Wir wollen es auf jeden Fall schreiben, aber veröffentlicht wird es mit Sicherheit nicht im nächsten Jahr (lacht).
Wildwechsel: Was machen eigentlich deine Filmprojekte?
Fish: Da tut sich zur Zeit nichts.
Ich hatte ein Angebot, im Sommer in Berlin zu drehen, aber ich hatte schon andere Pläne. Deshalb musste ich absagen.
Filme sind auch eher ein Hobby für mich. Ich muss meine eigenen Pläne meist 6 Monate im Voraus festlegen; Anfragen für Filme kommen aber immer erst sehr kurzfristig, da ich kein Hauptdarsteller bin. So zwischen 3 Monaten und 6 Wochen vor Drehbeginn. Meine Projekte kann ich nicht einfach verschieben, schließlich verdiene ich damit mein Geld. Mein Job ist es nun mal Lieder zu schreiben , und das geht nun mal vor.
Wildwechsel: Ich glaube, du bist momentan richtig heiß auf deine Musik, oder?
Fish: Richtig. Wenn man ein Album wie “13th Star” gemacht hat ... Nun ja, ich wusste immer, dass dieses Album in mir war. Das Album ist eines meiner Besten!
Wildwechsel: Wird’s eine Live -CD von der Tour geben?
Fish: Mit Sicherheit werden wir was veröffentlichen, wahrscheinlich CD und DVD. Aber ich habe noch nicht wirklich darüber nachgedacht.
Wildwechsel: Mal was anderes: Deutsche lieben schottische Folk-Musik. Gibt’s mal wieder was wie “Caledonia” oder “Internal Exile”?
Fish: Nein, zur Zeit nicht.
Wildwechsel: Ich meinte auch nicht bei dieser Tour, sondern neue Aufnahmen. Vielleicht sogar ein komplettes Album?
Fish:Nein, momentan nicht. Wenn man sich “13th Star” anhört, erkennt man ziemlich genau die Richtung, in die wir aktuell gehen.
Wildwechsel: Deutsche mögen das aber wirklich
Fish: Vielleicht irgendwann.
Wildwechsel: In Aschaffenburg hast du einige Takte von “Grendel” angespielt..
Fish: Nein, das war Frank!
Ich werde diesen Song nie wieder spielen! Er ist nicht mehr zeitgemäß. Ich bin schließlich auch erwachsen geworden. Ich mag den Song nicht mehr, er ist zu “genesislike”.
Wildwechsel: Wird es dann wenigstens bald eine Company-Convention (Anmerkung: Convention sind die Fan Clubtreffen, Fish tritt hier für fast umsonst auf. Die Konzerte sind legendär) geben?
Fish: Ich weiß es nicht, keine Ahnung. Ich habe momentan einfach viel zuviel zu tun: ich bin auf Tour, muss Weihnachtskarten schreiben, mich um meine Tochter kümmern. Dann noch die Veröffentlichung des Albums. Ich denke einfach zur Zeit nicht darüber nach.
Wildwechsel: Das hört sich an, als ob du überhaupt keine Freizeit hast, um bspw. einfach mal ein Buch zu lesen...
Fish:
Nicht wirklich.
Wildwechsel: Und was magst du privat für Musik?
Fish: Nichts spezielles, eigentlich nur abends im Bus im Background. Ich bin einfach zu müde.
Wildwechsel: Es gibt ja in Deutschland und auch in Großbritannien diese Casting-Shows im Fernsehen ...
Fish: Das ist doch alles Mist! Man kann keine Stars erschaffen oder jemandem Charisma oder Persönlichkeit verschaffen! Das sind alles bloß Schauspieler. Es geht doch nur ums Geld.
Wildwechsel: Letzte Frage: Du rauchst. Was hältst du vom Rauchverbot?
Fish: Ich respektiere das in einigen Bereichen, z.B. hier in der Garderobe. Einige meiner Leute sind Nichtraucher, ich akzeptiere das, es ist schließlich meine Band.
Aber andererseits: Ich rauche. Es ist sehr hart, dass es wirklich überall verboten ist!
Ich finde es inakzeptabel, dass jeder Staat scharf auf die Tabaksteuer ist, aber Raucher wie Scheiße behandeln. Die sollen einfach die Zigaretten billiger machen und die Leute tun lassen, was sie wollen. Ich denke sowieso, dass die meisten Feststellungen zum Passivrauchen Bullshit sind. Wenn ein Nichtraucher in einem Zimmer mit lauter Rauchern ist und ihm das nicht passt, muss er sich halt abseits stellen, so wie man das jetzt von den Rauchern verlangt.
Ich finde diese extremen Regelungen nicht gut: Ich denke, die Wirte sollten selbst entscheiden, so wie z. B. in Spanien. Wenn’s eine Raucherbar ist, müssen Nichtraucher ja nicht reingehen. Und die Raucher können dorthin.
Aber das ist das Problem mit unseren Regierungen, es sind “Nanny-States”. Sie verhalten sich wie Mütter, die uns sagen: “Tu dies, tu jenes!”. Shit! Ich hasse das, das ganze ist ein Test. Wie weit kann ich gehen und den Leuten von oben sagen, was sie zu tun und zu lassen haben? Sie behandeln uns wie kleine Kinder!
Wildwechsel: Fish, vielen Dank für das Interview. Können wir noch ein paar Bilder machen?
Fish: Natürlich, sehr gerne. Aber erst gehen wir eine rauchen...
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