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Interview mit Supertalent Jean-Michel Aweh

am 15 Januar 2013 von Steffen Dittmar

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Interview mit Supertalent Jean-Michel Aweh
Es ist eine turbulente Zeit für den Supertalent-Gewinner. In der Ruhepause um die Weihnachtsfeiertagen nahm sich der 20-jährige Kasseler Zeit für ein ausführliches Interview mit dem Wildwechsel und berichtet von seinen Erfahrungen mit der zunehmenden Öffentlichkeit, der Castingshow, seiner Musik und seinen weiteren Plänen.

Wer ist das Supertalent?
Jean-Michel Aweh wurde 1992 in Kassel geboren. Seine Jugend verlief nicht ganz sorgenfrei und war geprägt von Aggressionen seinerseits. Seinen Lebensunterhalt verdiente er vor der Show „Das Supertalent“ mit Auftritten in Kneipen und Bars. Am 16.12.2012 wurde er in Finale der Show mit 25,39 % zum Sieger gekürt.

Interview mit Supertalent Jean-Michel Aweh

Herzlichen Glückwunsch zum Supertalent-Sieg! Wie geht es dir jetzt?
Mir geht es gut, ich bin glücklich.

Über Weihnachten hattest du frei und keine Verpflichtungen? Hast du dich etwas vom ganzen Rummel erholen können?
In den letzten Tagen war es nach dem ganzen Trubel schlagartig ruhig und ich habe das auch sehr genossen. Die Weihnachtstage waren ganz friedlich und traditionell mit Familie. Das war auch mal ganz wichtig. Vorher war viel los, Musikvideo drehen, viel unterwegs sein, in Hotels leben, Interviews geben und so weiter. Aber jetzt freue ich mich auch schon wieder, dass es weiter geht mit der Arbeit. Ich genieße das. Jetzt kann ich endlich arbeiten, wie ich arbeiten möchte.

Nun steht sicherlich eine stressige Zeit an? Was kommen für Termine auf dich zu?
Das Telefon klingelt jetzt wieder fast ununterbrochen. Ich habe heute schon innerhalb von 20 Minuten drei Interviews geführt. Und ich möchte mich mit der Plattenfirma unterhalten und den Vorschlag machen, dass ab jetzt schon an dem zweiten Album gearbeitet wird. Das letzte Album wurde doch sehr schnell herausgebracht, für das zweite wünsche ich mir, dass das dann noch intensiver und persönlicher wird und dass dafür mehr Zeit zur Verfügung steht.

Was für Songs sind auf dem aktuellen Album?
Die Songs sind schon in den letzten zwei Jahren entstanden, die Plattenfirma musste keine neuen Titel schreiben, die bereits vorhandenen wurden nur neu aufgenommen und bearbeitet, dafür hat die Plattenfirma natürlich bessere Möglichkeiten als ich im Homerecording hatte. Die beiden Coversongs am Ende des Albums sind enthalten, um den Wünschen der Fans nachzukommen.

Du wirst also auch zukünftig deine ganz eigene Musik machen?
Ja, darauf bestehe ich auch. Die Plattenfirma würde mich nicht dazu zwingen, Stücke aufzunehmen, die ich nicht singen möchte. Sie haben schon Interesse daran, eine langfristige Karriere aufzubauen und dass der Künstler einen eigenen Willen und Eigeninitiative zeigt. Die Leute erwarten auch, dass da noch Neues kommt. Das ist der Vorteil bei mir, ich habe immer daran geglaubt, dass es einmal eine Plattform geben wird, habe geschrieben und komponiert, ohne genau zu wissen, wofür. Das ist jetzt passiert. Es gibt einen Song auf dem Album, darin heißt es:„Ich hab mein Ziel erreicht, jetzt fällt es mir leicht“. Als ich das damals geschrieben habe, habe ich mir die Zukunft vorgestellt. Das passt jetzt natürlich sehr gut.

Ist das Prädikat Supertalent für die musikalische Zukunft eher Fluch oder Segen?
Ich wäre undankbar, zu sagen, dass das jetzt ein Fluch ist. Ich hätte nie die Möglichkeit gehabt meine Musik so zu vervielfältigen und zu verbreiten, wie es in den letzten Tagen passiert ist. Natürlich ist der Angstgedanke da, auch die Presse fragt immer danach und es wird unterstellt, dass ich jetzt den gleichen Weg gehe wie andere Musiker aus Castingshows. Aber wenn ich realistisch darüber nachdenke, denke ich, dass das nicht so sein wird.
Wenn man das ein oder andere Negative zu Castingshows von dem ein oder anderen Teilnehmer gehört hat, liegt das einfach daran, dass die sich nicht getraut haben, sich durchzusetzen. Ich werde zum Beispiel oft gefragt, ob es da jetzt Knebelverträge gibt. Das ist bei mir aber nicht der Fall. Man muss sicherlich auch psychischen Druck aushalten und stärker werden und dabei noch Künstler und man selbst bleiben. Die steigende öffentliche Aufmerksamkeit war ein schleichender Prozess, da wächst man so rein. Ich habe auch in der Vergangenheit schwere Phasen gehabt in denen ich nichts zu essen gehabt habe und habe auch das durchgehalten. Das sind alles sehr unterschiedliche Erfahrungen, die aber insgesamt eines gemeinsam haben, nämlich dass sie einen Menschen stärker machen und prägen können.

Du bist musikalischer Autodidakt?
Ja, ich habe keinen Klavierunterricht oder Gesangsunterricht gehabt. Meine Musik kommt aus dem Gefühl heraus, ich probiere am Klavier, welche Klänge oder Akkorde zu den Gedanken und Texten passen oder welche Stimmungen ich ausdrücken will. Ich kann auch keine Noten.

Was hast du neben der Musik gemacht? Hast du ein zweites berufliches Standbein?
Ich hatte auch Möglichkeiten, Weiterbildungen oder eine Ausbildung zu machen, habe mich in den vergangenen Jahren aber dagegen entschieden und ganz auf Musik vertraut. Obwohl es manchmal Punkte gab, wo ich gezweifelt habe und dachte: Du ziehst hier dein Ding durch und vertraust auf die Musik obwohl du gar nichts zu essen hast. Aber ich wusste ganz genau, dass ich irgendwann meinen Lohn bekommen werde für das, was ich gerade mache. Das ist einfach auch ein Prinzip, wenn man an etwas arbeitet, dann wird daraus entstehen, auch wenn erst mal unklar ist, in welchem Umfang das passiert.

Das ist eine mutige Einstellung. Viele träumen von einer Musikkarriere aber wenige schaffen das.
Das ist ja auch der Fehler. Viele träumen davon. Aber das allein reicht nicht. Ich würde mir niemals wünschen, dass meine Träume in Erfüllung gehen, denn das sind manchmal Sachen, da möchte man nicht, dass sie geschehen. Ich denke mehr darüber nach, was ich erreichen will. Und das mache ich tagsüber, wenn ich wach werde.

Und wie kamst du dann zur Castingshow?
Vor über einem Jahr hatte ein Freund RTL eine Bewerbung geschrieben. Viel später habe ich dann plötzlich einen Brief im Briefkasten gehabt. Zuerst wollte ich nicht teilnehmen und bin auch bei dem Termin nicht erschienen. Darauf hin haben die mich angerufen und nachgefragt. Ich habe höflich erklärt, dass ich eigentlich nichts davon halte. Aber in der Nacht habe ich dann überlegt, es wäre vielleicht doch die Gelegenheit, eine größere Öffentlichkeit zu erreichen und bin dann doch nach Bielefeld zum Vorcasting gefahren.

Du bist ja nicht der erste nordhessische Musiker der in Castingshows weit gekommen ist. Auch Michael Holderbusch, Katja Friedenberg und Christian Durstewitz sind durch TV Shows mehr oder weniger bekannt geworden. Kennt ihr euch? Habt ihr Kontakt? Tauscht man sich untereinander zu den Casting-Erfahrungen aus?
Ich habe großen Respekt vor den beiden. Michael und Katja kenne ich auch persönlich. Es sind zwei Künstler, die sich wirklich als Sänger bezeichnen können. Ich sehe mich einfach als Künstler und im Vordergrund stehen mir meine Gedanken und Botschaften, die Musik ist das Mittel, mit der ich das ausdrücke. Sänger ist für mich jemand, der sich voll und ganz auf den Gesang an sich konzentriert, da möchte ich mich gar nicht gleichstellen mit anderen Sängern oder Pianisten. Mit Michael würde ich mich auch gern mal ausführlicher austauschen, aber dazu ist es bisher aus Zeitgründen noch nicht gekommen.

Du hast früher in Kasseler Kneipen und Bars gespielt. Welche Locations haben dir besonders gut gefallen?
Angefangen habe ich im Hot Legs in Kassel. Bei den Lagerfeuerabenden gibt es eine Open Stage. Das war die erste Plattform, in der ich meine eigene Musik präsentiert habe. Davor war ich schon mit dem Blues Trio Stolle unterwegs. Mein erstes Solokonzert war aber erst Ende 2011.
Ich bin froh, dass ich auch jetzt noch im Hot Legs sein und mich ganz normal geben kann, so wie vor einigen Tagen, als ich dort privat zu Besuch war.

An anderen Orten geht das nicht?
In der Stadt ist es derzeit schwierig. Ich kann nicht unbeobachtet in die Öffentlichkeit gehen. Da merke ich sofort, dass mich Leute sehen und anfangen zu tuscheln. Oder sie sprechen mich an und möchten ein Foto mit mir machen. Ich finde das auch ok, auch wenn manche nur auf mich zukommen, weil sie mich aus dem Fernsehen kennen. Noch lieber wäre es mir, wenn sie verstärkt wegen dem Interesse an meiner Musik kommen.

Hast du musikalische Vorbilder?
Ich habe früher auch Sachen wie Sido und Bushido gehört. Aber wirkliche Vorbilder oder Leitfiguren habe ich keine. In Phasen, wenn ich komponiere, höre ich sogar ganz wenig bis überhaupt keine Musik, da bin ich dann die meiste Zeit mit der eigenen Musik beschäftigt.
Ich möchte dann auch nicht beeinflusst sein, von dem was ich höre, um so zu klingen wie ich und nicht wie etwas anderes, was es schon gibt. Und Ideen habe ich da genug, manchmal geht das ganz schnell oder ich bin mit verschiedenen Songs gleichzeitig beschäftigt. Wenn ein Lied schnell fertiggestellt ist, bin ich fast ein bisschen traurig.

Wo möchtest du in 10 Jahren sein?
Das ist sehr weit gedacht, erst mal denke ich an das nächste Jahr und möchte ein weiteres Album veröffentlichen. Für die ferne Zukunft kann ich mir auch vorstellen, ein Buch zu schreiben oder sogar einen Film zu machen. Autobiographische Aufzeichnungen und Notizen dafür mache ich mir bereits seit ich ein Kind bin, auch bevor ich Musik gemacht habe schon. Und in der letzten Zeit ist ja auch viel passiert.

Und wann und wo können wir dich in der näheren Zukunft erleben?
Die Tour startet im April. Dann werde ich voraussichtlich am 23.4.auch in Kassel im Musiktheater sein.


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