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IMPERIAL STATE ELECTRIC - Interview über das Touren, Gitarren, Rock’n’Roll und das Papa sein.

am 08 März 2017 von Matthias

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Imperial State Electric (Foto: Johan Forsberg)

Imperial State Electric (Foto: Johan Forsberg)

Unser freier Mitarbeiter Markus Welby Schmidt traf im Rahmen der Tour Nicke Andersson von IMPERIAL STATE ELECTRIC zum Interview.

Imperial State Electric haben gerade die Deutschland-Tour zu ihrer aktuellen Scheibe „All Through The Night“ gestartet und sind dabei auch im kleinen, aber feinen Club „Vortex“ in Siegen (18.02.17) gelandet. Kurz vor der (überragenden!) Show hatte ich Gelegenheit, mit Nicke über die Tour, Gitarren, die Hellacopters, Strängens Tod, sowie Rock ´n´ Roll und das Papa-Sein zu sprechen…

Imperial State Electric - Im Ww-Interview

 

Welby: Hallo Nicke, ist es das erste Mal, dass ihr in Siegen seid?

Nicke: Hallo – ja, soweit ich weiß, schon.

Welby: Ihr habt gerade eure neue Tour gestartet.

Nicke: Ja, wir waren in Hamburg und Holland.

Welby: War es wie ihr es erwartet hattet?

Nicke: Ich bin mittlerweile alt genug, nicht zu viel zu erwarten. Man nimmt es, wie es kommt, und alles, was oben drauf kommt, ist ein Bonus. Aber gerade Hamburg (Hafenklang) war tatsächlich großartig. Und wir hatten zuvor auch noch nie in Holland gespielt – auch dort war es gut - naja – und jetzt sind wir in Siegen (lacht).

Welby: Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, warst du nicht so zufrieden mit der Anzahl an Shows, die ihr spielt – hat sich das jetzt etwas verbessert?

Nicke: Nicht wirklich, aber ich weiß ja, wie das so ist. Es gibt einfach unheimlich viele Bands, die auf Tour sind – das ist eben nicht leicht. Ich würde mir natürlich wünschen, noch mehr zu spielen - aber es ist, wie´s ist (lacht). Es hat auch ganz schön lange gedauert, nachdem das Album („All Through The Night“) fertig war, bis wir hier nach Deutschland gekommen sind – aber „Here We Are!“

Welby: Naja – so schlecht sieht’s doch gar nicht aus, ihr spielt knapp 20 Shows am Stück auf der Tour, oder?

Nicke: Ja, das ist schon wahr – trotzdem würde ich auf der einen Seite gerne noch mehr spielen, auf der anderen Seite möchte ich die Tourneen gerne kompakt halten. Denn aus der Erfahrung weiß ich, dass auf eine wirklich lange Tour zu gehen, die Musik ein wenig zerstören kann. Und die sollte nun mal an erster Stelle stehen. Also am liebsten hätte ich gern mehr und kürzere Touren.

Welby: Ich kann mir schon vorstellen, dass es auf Tour recht stressig sein kann.

Nicke: Ja, wir waren früher (mit den Hellacopters) z.T. 9 Monate am Stück unterwegs. Nach einer Weile wird es dann eher wie ein „Job“ und du vergisst ein bisschen, warum du das eigentlich machst. Da ist es besser, wenn man die Sache auch für einen selber spannend halten kann.

Welby: Ja, das Vortex ist ein extrem kleiner Laden – was die meisten Fans hier natürlich freut – weil man so eine Band selten so direkt und nah erlebt. Aber wie seht ihr das?

Nicke: Ich hab kein Problem mit kleinen Läden – ich mache das gerne – aber natürlich spielen wir genauso gerne auf Festivals.

Welby: Ihr habt sowohl mit ISE als auch mit deiner alten Band einige Festivals gespielt und es ist wohl auch manches für dieses Jahr geplant (z.B. Sjock in Belgien). Vor allem mit den Hellacopters mehr als ursprünglich erwartet, oder?

Nicke: Ja, die Reunion-Show, die wir im letzten Jahr auf dem Sweden-Rock gespielt haben, hat sich viel besser angefühlt, als ich es gedacht hätte. Und wir haben daraufhin auch viele Anfragen bekommen und haben uns gedacht, geben wir doch der Sache nochmal ´ne Chance. Und so haben wir mittlerweile schon sechs Festivals fest gebucht.

Welby: Schwebt über all dem nun eine dunkle Wolke, nachdem euer ehemaliger Gitarrist Strängen so plötzlich gestorben ist?

Nicke: Das ist immer noch schwer zu fassen und unglaublich traurig und tragisch. Ich bin gar nicht sicher, ob ich das wirklich schon so richtig realisiert habe, was da eigentlich passiert ist. Das war ein riesiger Shock für uns. Und natürlich auch für seine Familie – und seine kleine Tochter.

Welby: Keiner scheint zu wissen, was genau passiert ist.

Nicke: Ich weiß es zwar, aber darüber möchte ich nicht öffentlich sprechen – das ist meiner Meinung nach etwas, das nur die Familie etwas angeht.

Welby: Ja, das ist wahr. Es ist wirklich tragisch und auch die Fangemeinde ist ziemlich geschockt. Dennoch werdet ihr mit den Hellacopters weitermachen, oder?

Nicke: Ja, davon gehe ich aus – keine Hellacopters-Shows mehr zu spielen, bringt Strings ja leider auch nicht mehr zurück. Gerade gestern hat mir ein Typ aus dem Publikum gesagt, er sei froh, dass wir die ISE-Tour nicht deswegen gecancelled hätten – Nein, ehrlich, „life goes on.“

Welby: Vielleicht ist das ja auch in seinem Sinne.

Nicke: Ja, ich hoffe es – sollte es mich mal erwischen, möchte ich auch nicht, dass die Welt aufhört, sich zu drehen.

Welby: Man kann immer wieder feststellen, dass gerade die Musiker-Szene in Schweden sehr eng miteinander verbunden ist – es scheint, dass jeder mit jedem irgendwelche Bands und Projekte hat. Hast du zum Beispiel mit Robert Pehrsson etwas Neues geplant? Wenn ich eure Alben hören, schreit das für mich förmlich danach, dass ihr zusammen mal ein Vintage-Rock ´n´ Roll Ding machen müsstet.

Nicke: Naja, er macht das ja schon (Robert Pehrssons Humbucker) und ich ja auch. Und tatsächlich hat er auch schon ein paar Mal bei ISE live mitgespielt – zum Teil als Ersatz für Tobias (Egge), wenn der mal nicht konnte, und zum Teil hatten wir sogar drei Gitarren, was großartig war. Je mehr Gitarren, desto besser (lacht).

Welby: Gibt´s irgendwelche neuen Gitarrenschätze bei dir?

Nicke: Ja, ich habe mir tatsächlich gerade von einem befreundeten Gitarrenbauer (Berg Guitars) eine Mischung aus Hamer Explorer (Standard), wie sie Rick Nielson und Lita Ford gespielt haben, und Ace Frehleys Les Paul anfertigen lassen. Ich weiß, wir sind gerade im Nerd-Territorium – aber das ist ein sehr cooles Teil. Nicht ganz so handlich wie meine SGs, aber sehr leicht, einzigartig und einfach geil.

Welby: Du hast mal gesagt, ihr schreibt ständig an neuen Songs und nehmt immer wieder auf. Heißt das, dass schon bald wieder ein neues Album von ISE am Start ist?

Nicke: Im Moment nicht, diesmal dauert es etwas länger, denn ich hatte einiges zu tun in letzter Zeit – zum Beispiel habe ich mit Entombed ein paar Shows auf einer „Metal-Cruise“ gespielt. Eine tolle Aktion, bei ich sehr viele alte Bekannte getroffen hab, die ich seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte. Das war getränketechnisch ganz schön herausfordernd - ich bin fast 45, aber wir haben uns eher wie 19-Jährige benommen…
Also genau entschieden haben wir noch nicht, wann das neue Album rauskommt. Wir haben ja mittlerweile auch alle Kinder und Familie und so.

Welby: Wir alt ist dein Kind?

Nicke: Mein Sohn wird im März drei Jahre alt.

Welby: Das ist sicherlich nicht leicht mit dem Rock ´n´ Roll zu vereinbaren, oder?

Nicke: Naja – es hilft mir, disziplinierter zu sein, ich schiebe z.B. Dinge nicht mehr auf, sondern erledige sie direkt, um Zeit für ihn zu finden. Unser Gitarrist Tobias hat einen Fulltime-Job und vier Kinder. Und kriegt es trotzdem hin mit dem Musikmachen. Auch wenn er vermutlich nur 2 Stunden am Tag schläft. Er ist so eine Art Superman in meinen Augen. Aber ich hab´ mir gedacht: Dann muss ich das ich auch schaffen (lacht).

Welby: Ein Bekannter von mir, der so rund 150 Shows im Jahr spielt und ebenfalls Kinder hat, hat mir mal gesagt, er sei war oft unterwegs – wenn er aber zu Hause sei, hätte er mehr Zeit für seine Kids als jemand mit einem „normalen“ Job. Wie siehst du das?

Nicke: Ja, das stimmt tatsächlich. Andere müssen in ihrem Job auch unterwegs sein – also, das passt schon…

Welby: Und – steht dein Sohn auf deine Musik?

Nicke: Mmmh – ich kann es nicht so genau sagen – ich glaub, er erkennt, wenn ich singe – aber ich hör eigentlich nie meine eigene Musik. Deshalb denkt er, alles sei immer KISS. Also sagt er zu jeder Art von Rockmusik: „Ah, Papa, das ist KISS!!!“.

Welby: Das kommt mir bekannt vor. Meine Kinder haben in dem Alter lauten Rock ´n Roll immer „Garre Yeah Yeah“ genannt…

Nicke: (lacht) – ja – zurück zur ISE-Platte – es wird dieses Mal nicht ein Jahr bis zur neuen LP dauern (wie beim letzten Mal) – sondern vielleicht 18 Monate.

Welby: Auf eurer aktuellen Platte findet man auch sehr außergewöhnliche Nummern, z.B. die Country-Nummer „Break it Down“. Gehören solche Songs auch zu eurem Live-Set oder gibt´s da ausschließlich die Rock-Sachen?

Nicke: Nein, nein – gerade Break It Down spielen wir bei fast jeder Show. Und greifen dabei sogar zur Telecaster.

Welby: Du hast auch mal wieder eine tolle Platte produziert – Heavy Tiger, eine schwedische Frauen-Rockband – sehr coole Scheibe!

Nicke: Ja, die sind klasse – ein tolle Live-Band.

Welby: Ja und ich freu mich jetzt auch auf eine tolle Live-Band – auf ISE – viel Spaß beim Gig und danke für das Gespräch.

Nicke: Ja, danke - bis gleich…

» Interview von Welby Schmidt mit Nicke von IMPERIAL STATE ELECTRIC

» Plattenbesprechung von All Through the Night


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