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Geheimer Schatz oder unglaubliche Verschwörung? - Das Geheimnis von Rennes le Château

am 26 Januar 2012 von Wildwechsel

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Das Geheimnis von Rennes le Château

Das Geheimnis von Rennes le Château

Ein kleiner französischer Ort, unscheinbar und fernab der Touristenzentren, fasziniert die Mystiker, Schatzsucher und Verschwörungstheoretiker auf der ganzen Welt. »Rennes le Château« (sprich: „Renn-le-Schattoh“) nennt sich das Örtchen tief im Gebirge, in Languedoc, etwa 40 km südlich von Carcassonne (bekannt von der Tour de France). Obwohl in diesem Ort nie etwas wirklich Bemerkenswertes passiert ist, zog er Kelten, Römer, Westgoten, Merowinger, Katharer und Tempelritter magisch an.

Der virtuelle Run auf Rennes speist sich aus Geschichten, die gut hundert Jahre alt sind. Damals sorgte der örtliche Pfarrer für einen ungeahnten Aufstieg des Städtchens, indem er kräftig Geld in die Infrastruktur pumpte. Das meiste floss jedoch in die kleine Kirche, die mit viel Prunk und und vielen Rätseln geschmückt wurde - darunter auch Darstellungen von Maria und Joseph mit je einem Kind. Was wollte uns der Pfarrer damit mitteilen???

 

Dieser Ort ist schrecklich!

Geheimer Schatz oder unglaubliche Verschwörung? - Das Geheimnis von Rennes le Château

Der Pfarrer Bérenger Saunièr

Der Pfarrer Bérenger Saunière­ hatte im Jahr 1891 mit Rekonstruktion der kleinen Dorfkirche St. Maria Magdalena begonnen, die aus dem Jahr 1059 stammt. Acht Jahre lang dauerte die Renovierung - während dieser Zeit sollen viele weitgereiste, noble Gäste in den Ort gekommen sein, um den Pfarrer zu treffen. Die Kirche wurde mit allerlei Merkwürdigkeiten bestückt - angefangen von der Inschrift „Terribilis est locus iste“ (= dieser Ort ist schrecklich) über ein umgekehrtes Kreuz im Eingangsbereich bis hin zu einem Teufel, der den Weihwasserkessel hält, ein Bild der Maria Magdalena mit roten Haaren (?) bis hin zu Darstellungen von Pilatus mit einem Schleier (?) und der Heiligen Familie mit zwei Kindern (?). Spielt dies auf die neuerdings wieder verbreitete Legende an, dass Jesus nicht am Kreuz starb, sondern statt dessen mit seiner Ehefrau (!) Maria Magdalena nach Frankreich floh, um dort eine Familie zu gründen? Dass er selbst es war, der den Grundstein legte für einen neuen Orden, aus dem dann die „Tempelritter“ wurden?

Auch eine lokale Legende wurde verarbeitet: Über dem Beichtstuhl findet man das Bild eines Schäfers, der in Rennes einen Schatz gefunden hatte und von den Dorfbewohnern gesteinigt worden war, weil er nicht den Ort seines Fundes preisgeben wollte.

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Saunière baute sich den Turm »Magdala«

Aber Saunière renovierte nicht nur die Kirche. Er baute sich eine Villa mit dem Namen Bethania und einen seltsamen Turm (»Magdala«), der gefährlich nah an einen Abhang gebaut wurde und seine umfangreiche Büchersammlung aufbewahrte. Bei den Restaurierungsarbeiten fand er Schriften, die älter waren als die Kirche selbst und noch aus der Merowingerzeit stammten. Rhedae (das heutige Rennes le Château) war im frühen Mittelalter die südliche Hauptstadt des Merowinger-Reiches gewesen. Diese hatten biblische (!) Texte zum Inhalt, enthielten jedoch auch rätselhafte verschlüsselte Botschaften. Eine Theorie besagt, dass der Reichtum des Pfarrers vom Verkauf der Dokumente kam. Andere vermuten, Saunière habe einen Schatz gefunden: Zur Auswahl stehen der verschollene Schatz des Templer-Ordens, den die Kirche 1307 zerschlug, der Schatz der Westgoten, die einst in Rennes herrschten (ebenfalls verschollen), oder der Kronschatz der Merowinger. Fest steht, dass der Pfarrer diverse Bekannte mit altertümlichen Dingen beschenkte - z.B. einem wertvollen, historischen Abendmahlskelch und alten Münzen.

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Ein Teufel hält Weihwasserkessel.

Andere vermaßen die Gegend und stießen auf merkwürdige fünfeckige Strukturen (Pentagramme), die laut Kirche teuflisch sind. Dazu passt unheimlicherweise die merkwürdige Beerdigungszeremonie des Pfarrers: Der Tote saß in eine scharlachrote Robe gehüllt auf einem Lehnstuhl vor dem Turm „Magdala“. Trotz des Weltkrieges waren zahlreiche Fremde aus ganz Europa angereist. Stand der Prediger also im Zentrum einer grenzüberschreitenden Geheimgesellschaft? Seine Haushälterin und Alleinerbin Marie Denarnaud, die übrigens schon vor seinem Tod den Sarg bestellt hatte, hielt den Mythos vom Schatz lebendig: „Die Bewohner von Rennes-le-Château wandeln auf purem Gold!“ Doch die Geheimnisse, die sie vor ihrem Tod noch lüften wollte, nahm auch sie mit ins Grab. Gleiches gilt für andere, die dem Geheimnis auf der Spur waren. So sollen sich die drei Autoren eines Aufklärungsbuches innerhalb von 24 Stunden erhängt haben.

 

Maria Magdalena

Die in der populär-christlichen Überlieferung als bekehrte Hure bekannte Maria Magdalena (wofür es in der Bibel keinen Beleg gibt, das Lukas-Evangelium bezeichnet sie aber als „Frau, aus der sieben Teufel entwichen waren“) gilt als das Sinnbild des erlösten Sün­ders. Im Johannes-Evangelium ist sie die erste, die den auferstandenen Jesus erblickt. Auch deshalb galt sie im Mittelalter als Trägerin einer geheimen Offenbarung. Viele Interpreten, die Jesus menschlichere Züge verleihen wollten, haben in ihr Jesus‘ Geliebte gesehen. Die mit dem nach einer anderen Theorie nicht gekreuzigten (!) Jesus nach Frankreich floh.[/box]

Da sprießen die Gerüchte: Fand der Pfarrer Saunière etwa die Reliquie, nach der in den unterschiedlichsten Epochen immer wieder gesucht wurde: den Heiligen Gral, den Kelch von Jesus‘ letztem Abendmahl? Heinrich Himmler, in Nazi-Deutschland der Reichsführer der gefürchteten SS, soll während der Naziherrschaft Vertraute nach Rennes geschickt haben, um dort nach dem Gral zu suchen, weil er glaubte, der Kelch würde unermessliche Macht verleihen.

 

Liegt dort Jesus begraben?

Was also ist wirklich geschehen in und um das kleine französische Bergdorf? Woher hatte der Pfarrer sein Vermögen, immerhin verbaute er Millionen (!) und hatte noch größere Pläne! Hat er wirklich einen riesigen Schatz gefunden? Wenn ja welchem? Den der Merowinger, oder den der Tempelritter? Ist er vielleicht doch einem dunklen Geheimnis der Kirche auf die Spur gekommen? Oder war er gar Prediger einer obskuren Sekte? Verdiente er an unrechtmäßig gehaltenen Messen, wie es ihm der Vatikan angeblich vorwirft? War er gar ein Satanist? Liegt dort Jesus begraben? Oder doch die Bundeslade? Oder waren Ausserirdische im Spiel?

Fragen über Fragen. Im Internet findet sich jedenfalls genug Material für stundenlange spannende und amüsante Recherchen und Stoff für mehr als einen weiteren spannenden Mystery-Thriller! Man darf gespannt sein, wann Hollywood sich den kruden Stoff vornimmt! Dan Brown jednefalls lies sich schon von der Geschichte inspirieren. Das merkt man wenn man mal einige Namen vergleicht. (pp/lj)

Eine nicht repräsentative Auswahl von Websiten, die sich mit dem Rätsel beschäfftigen:
» [ www.renneslechateau.com ]
» [ Steht die Bundeslade vor ihrer Entdeckung? ]
» [ Le Serpent Rouge ]

 

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Der seltsame Fisch

Kurioses zum Schluss

Der San Francisco Herald berichtete vor einigen Jahren von einem sehr seltsamen Fang. Einem Fischer ging ein Seebarsch ins Netz. Der hatte eine lateinische Inschrift auf einer Seite: „I Tego Arcana Dei“ bedeutet in etwa „Ich verberge die Geheimnisse Gottes“. Wie und warum dem Fisch die Aufschrift verpasst wurde, bleibt unbekannt. Ein interessantes Detail gibt‘s aber: Diese Aufschrift findet sich als Anagram auf Nicho­las Poussins' berühmten Gemälde „The Shepherds of Arcadia“.

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Gemälde „The Shepherds of Arcadia“

Dieses Bild und die lateinische Inschrift spielen auch in dem Rennes-Mysterium eine wichtige Rolle. Ob der Fisch nun unglückliches Opfer eines Intellektuellen wurde, oder ob wir es möglicherweise mit einer schwimmenden Botschaft Gottes zu tun hatten - die Wahrheit liegt, wie immer, irgendwo da draußen...

Diesen Artikel veröffentlichen wir in ähnlicher Form bereits vor einigen Jahren. Inzwischen gibt es einige neue aufklärenden Reportagen zu dem Thema. Auf die werden wir demnächst an dieser Stelle hinweisen. Wer aber selber schon was heraus gefunden hat, ist herzlichst aufgerufen dies hier kund zu tun! (die Ww-Red.)


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Redaktion des Printmagazin Wildwechsel.
Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994).
Auf Wildwechsel.de veröffntlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

  • Website: http://www.wildwechsel.de

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