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Das letzte Problem der Windenergie: Korbacher Physiker gewinnt mit simpler Idee

am 29 März 2013 von Maria Blömeke

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Das letzte Problem der Windenergie: Korbacher Physiker gewinnt mit simpler IdeeBei der Preisverleihung von Promotion Nordhessen gewinnt ein Mann aus Korbach. Nicht nur den ersten Platz beim Businessplanwettbewerb, sondern auch den Sonderpreis dezentrale Energien. Sein Konzept: Eine Speichermöglichkeit für Windkraftanlagen.

Spätestens seit der Katastrophe von Fukushima vor zwei Jahren steht die Atomenergie auf der Beliebtheitsskala der meisten deutschen Bürger ganz unten. Kohle ist in unrentabel abzubauen. Bei Öl und Gas sind wir abhängig von anderen Ländern. Alle fossilen Energien werden irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen und die Atomenergie verursacht einen Müllberg, den wir jetzt schon nicht mehr überschauen. Eine mögliche Antwort heißt regenerative Energien. Doch die kann man bisher nicht oder nur sehr schwer speichern.

Dabei können mit Wind- und Solarenergie etwa 30 Gigawatt Höchstleistung pro Stunde gewonnen werden. Derzeit gibt es nur Pumpspeicherkraftwerke, die diese Energie für später aufbewahren, doch die können alle gemeinsam nur etwa 40 Gigawattstunden speichern. Das bedeutet, nach etwa 1 1/2 Stunden sind sie voll.

Ich habe mir nie Gedanken gemacht, dass ich gewinnen könnte.

Dr. Bernd Geisler ist diplomierter Experimentalphysiker. Nachdem er 1999 promovierte, ging er für 9 Jahre in die USA und lehrte an verschiedenen Colleges. Vor 5 Jahren kehrte er in seine Heimatstadt Korbach zurück, wo er jedoch nur schwer eine Stelle fand. Die Idee zu seinem Forschungsprojekt trägt er schon einige Zeit mit sich herum, als er vor einem Jahr vom Leiter der IHK den Tipp bekommt, sich doch einmal mit Michael Schapiro zusammen zu setzen. So kam es zur Bewerbung beim Businessplanwettbewerb. „Ich habe mir nie Gedanken gemacht, dass ich gewinnen könnte.

Seiner Meinung nach ist die Energiewende eine große Chance für Deutschland. Waren es nach seinen Angaben vor 6 Jahren noch 170.000 Arbeitsplätze, im Bereich der erneuerbaren Energien, so sind es heute bereits 390.000. Dagegen beschäftigte die Automobilindrustrie heute wie vor sechs Jahren etwa 380.000 Menschen und zusätzlich 370.000 in ihren Zuliefererbetrieben. Zudem können die Arbeitsrkäfte in den erneuerbaren Energien auch nicht einfach nach China „outgesourct“ werden.

Nur ein einziges Grad höhere Temperatur kann die Gewalt eines Hurricanes verdoppeln.

Während die Amerikaner mit dem „Fracking“ der Erde auch die letzten, bisher unerreichnbaren Ressourcen an fossilen Brennstoffen entziehen, sollten nach Meinung von Geisler die Deutschen das Feld der regenerativen Energien weiter bearbeiten. Denn: „Es gibt in der Natur nichts umsonst“, sagt er. Bereits jetzt seien die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren, nicht nur im Anstieg der Temperaturen, sondern besonders die zunehmende Stärke von Hurricanes und anderen Wetterphänomenen. Die werden so stark, erklärt Geisler, weil durch die Treibhausgase in der Atmosphäre die eingestrahlte Energie der Sonne nicht mehr so leicht in den Weltraum abgestrahlt werden kann. „Nur ein einziges Grad höhere Temperatur kann die Gewalt eines Hurricanes verdoppeln.“, so Geisler. Dabei sei es eine wichtige Frage, ob durch die weitere Nutzung fossiler Energien nicht größere volkswirtschaftliche Schäden angerichtet werden (von der humanitären Seite gar nicht zu sprechen), als wenn man als wenn man Kohle- Öl- und Gaskraftwerke ab- und Wind- und Solarkraft aufbaut würden.

Die Atomenergie war eine Milchmädchenrechnung. Wir müssen daraus eine große Lehre ziehen!

Die jetzige Windkraft sei, so Geisler, ohnehin nur eine Übergrangstechnologie für die nächsten 100-200 Jahre. „Es ist wichtig, jungen Leuten zu sagen: Lasst euch nicht die Zukunft klauen!“ Denn die seien ja auch Arbeitsplätze der Zukunft. Die Forschungsaufgabe der Zukunft. „Die Atomenergie war eine Milchmädchenrechnung. Wir müssen daraus eine große Lehre ziehen!“Denn, so erklärt er, Während die Stromkonzerne die Gewinne aus scheinbar billigem Atomstrom einfahren, werden die Risiken, die Folgen und vor allem deren Beseitigung auf die Allgemeinheit abgewälzt. Wir haben noch nicht einmal das Problem der Zwischenlagerung zufriedenstellend lösen können, von der Endlagerung ganz zu schweigen. Die wahren Kosten der Atomenergie lassen sich heute nicht einmal erahnen. Wenn sich die Konzerne gegen diese Risiken versichern müssten, hätten sie alle die Atomkraft schon vor langer Zeit aufgegeben, erklärt er.

Seine Idee der Speicherung klingt simpel: Die Türme der Windkraftanlagen selbst als Luftdruckspeicher nutzen. Denn Luft ist ungiftig und überall zu bekommen. Auch hinterlässt sie keine schädlichen Abbaustoffe, die noch Jahrtaustende Mensch und Tier schaden können, wie die Brennstäbe aus der Atomenergie. Weitere Vorteile der Methode wären kein Transportverlust, Umweltfreundlichkeit und dass sie deutlich länger als Batterien hält. Die grundlegende Idee ist nicht neu. Bereits in den Siebzigern gab es erste Überlegungen dazu, doch zunächst musste sich die Windenergie weiterentwickeln: durch die GFK-Technik (Verbundmaterial Glasfaserverstärkter Kunststoff) und bessere Leistungselektronik, die größere Windkraftanlagen überhaupt erst möglich machen. „Henry Ford hat das Auto auch nicht erfunden. Aber es zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt Geisler.

Wir suchen eine Gemeinde, die sich als Standort anbietet und eventuell auch Geld investieren möchte.

Derzeit sucht man noch nach einem Standort in einem Windpark mit erschlossener Infrastruktur, an dem in den nächsten 2,5 Jahren ein Prototyp entsteht. Gleichzeitig möchte Bernd Geisler schon damit beginnen, eine Fabrik für die Serienfertigung aufzubauen. Das Unternehmen soll in Nordhessen entstehen. „Wir suchen eine Gemeinde, die sich als Standort anbietet und eventuell auch Geld investieren möchte.

 


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