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Danko Jones im Interview

am 08 März 2017 von Matthias

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Danko Jones Album -Cat

Danko Jones Album -Cat

„Ich will nicht, dass die Welt in Stücke fliegt“ – neue Töne von DANKO JONES. Ein Interview über die neue Platte „Wild Cat“, Rock ´n´ Roll im Trio und – natürlich – über DONALD TRUMP. Von Markus Welby Schmidt

Welby: Hallo Danko, schön, dass wir hier über eure Tour und die neue Platte „Wild Cat“ sprechen können. Die hat mal wieder sehr viel Punch – wie bekommt mit nur drei Leuten einen derart fetten Sound hin?
Danko: Ich weiß nicht, wie andere das machen – wir tun einfach, was wir tun. Im Laufe der Zeit haben wir gemerkt, dass man gerade als Trio einfach noch ein bisschen mehr Gas geben muss als andere. Aber man muss auch sehen, dass große Bands wie BLACK SABBATH oder LED ZEPPELIN genau wie wir auch nur drei Instrumente am Start hatten, also Bass, Drums und eine Gitarre. Wer ein Trio wie uns auf der Bühne sieht, mag vielleicht denken, drei Leute könnten nicht so eine Power entwickeln wie vier oder mehr – aber das ist nicht so – die meisten 4-Mann-Bands teilen ja lediglich meinen Job des Sängers und Gitarristen auf zwei Personen auf. Und ich mach das eben allein. Das ist alles.
Welby: Aus eigener Erfahrung mit meiner Band SUPERCOBRA weiß ich, dass es ein harter Job ist, Sänger, Rhythmus- und Lead-Gitarrist in einem sein zu müssen. Ihr seid mittlerweile sehr erfolgreich und spielt auf großen Festivals wie Wacken oder dem Hurricane-Festival. Viele andere Bands, die ursprünglich auch ein Trio waren (z.B. GREEN DAY), haben live noch einen zweiten oder gar dritten Gitarristen und einen Keyboarder dabei – damit der Sound fetter und der Auftritt noch professioneller und komfortabler wird. Warum macht ihr das nicht?
Danko: Das machen vor allem die Bands, bei denen ein fettes Management dahintersteht, das auf sie einredet und ihnen Vorschriften macht. Meist kommen solche Ideen aus dieser Ecke. Wir kommen mehr aus der Garage-Punk-Szene. Als wir Mitte der 90er angefangen haben, war Garage-Punk ein großes Ding – größer als heute jedenfalls. Vielleicht wird das heute etwas übertrieben von Bands wie den WHITE STRIPES oder den HIVES – aber als wir anfingen, gehörte da eine sehr reduzierte Lo-Fi-Ästhetik dazu. Bands wie THE OBLIVIONS, THE GORIES, THE DIRTBOMBS, THE JON SPENCER BLUES EXPLOSION, THE MAKERS oder THE HEADCOATS haben die Dinge auf das Wesentliche reduziert. Das sind unsere Wurzeln. Und ich mag es nicht, mehr auf der Bühne darstellen zu wollen, als wir ganz organisch da hinbringen können. Ja – es gibt einige Bands, die sich von ihrem Management einreden lassen, sie müssten sich vergrößern – und vielleicht wird dabei der Sound wirklich etwas fetter – aber man verliert diese raue, erdige Energie, auf die es meiner Meinung nach ankommt. Die Typen, die meinen, man müsse den Sound immer weiter aufblasen, sind oft solche, die meine, sehr viel Ahnung von Musik zu haben – haben sie aber nicht.
Welby: Das stimmt wohl. Interessant zu hören, welche Garage-Bands deine Helden waren – was ihr heute macht, ist aber doch ein bisschen mehr Hardrock oder Stadionrock als bei diesen Bands. Und ihr seid damit im Moment sehr erfolgreich. Ihr macht auch gemeinsame Songs mit anderen, sehr bekannten Musikern, (z.B. Christina Scabbia von LACUNA COIL oder VOLBEAT). Was sind eure Gründe dafür?
Danko: Vor allem geht es dabei um Spaß. Klar, VOLBEAT sind eine sehr große, bekannte Band im Moment – Aber das ist nicht der Grund. Vielmehr ist (Sänger) Micheal Poulsen einfach ein guter Typ, auf den man sich verlassen kann, vor dem ich großen Respekt habe – wir waren gemeinsam auf Tour – und sie haben uns großartig behandelt. Und er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, auf einem Track von ihnen zu singen – die Chance lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Und: Der Song (Black Rose) ist klasse.
Welby: Im Netz habe ich euch zusammen mit einem MISFITS-Cover (Angelfuck) gesehen – das sah nach ziemlich viel Spaß aus. Ihr seid also Kumpels und so kam das letztlich zustande?
Danko: Genau so ist es.
Welby: Du hast eben viele Garage-Bands als deine Helden genannt – auf der neuen Scheibe gibt es aber eine Nummer (You Are My Woman), die mich viel mehr an eine meiner Lieblingsbands, an THIN LIZZY erinnert. War das beabsichtigt?
Danko: Ja – wir hatten hier tatsächlich vor, dass es nach THIN LIZZY klingen sollte.
Welby: Auf der Platte liegt ein großer Teil der Vielfalt, die sie bietet, an den sehr unterschiedlichen, zum Teil ziemlich ausgefuchsten Grooves. Der Drummer macht also viel aus in eurem Sound. Der wurde allerdings schon wieder mal ausgewechselt – warum?
Danko: Ich mag nicht über jeden der Drummer hier sprechen, weil sie nicht hier sind – und sich nicht verteidigen können. Letztlich lag es immer daran, dass es irgendwie nicht funktioniert hat. Nach außen mag es so aussehen, als tauschte ich häufig die Leute aus. Tatsächlich ist es aber so, dass ich mit JC (John Calabrese, Bass) in der Band seit über 20 Jahren zusammenspiele. Wir haben seit ´99 den immer gleichen Tontechniker, den gleichen Manager, und viele, viele andere Crew-Mitglieder, die seit über 15 Jahren dabei sind. Ich bin also eigentlich jemand, der auf Kontinuität setzt. Nur beim Drummer sieht es anders aus – das liegt aber weniger an mir – als diese Jungs die Band jeweils verlassen hatten, waren viele um mich herum und in der Crew ziemlich erleichtert. Das soll hierzu reichen.
Welby: Du hast eben Bassmann John Calabrese angesprochen, mit dem du schon ewig Musik machst. Wie wichtig ist er für euren Sound?
Danko: Er ist unheimlich wichtig für uns - er hat eben seinen ganz unverwechselbaren, extrem druckvollen Sound. Gerade bei uns als Trio – vor allem in Passagen, wo ich mal nur singe und nicht Gitarre spiele - muss er die Sache rund machen. Und er macht das soundmäßig ganz ähnlich wie Lemmy von MOTÖRHEAD. Bei ihm wird der Bass fast zu einer Rhythmus-Gitarre. Aber er hat die Band auch 15 Jahre lang ganz alleine gemanaged. Er hat uns hierhin gebracht. Und obendrein ist er verdammt gut darin, Songs zu arrangieren. Ich werfe ihm ein paar Riffs hin und er macht daraus eine gute Nummer.
Welby: Vor allem live macht ihr als Band einen unglaublichen Alarm auf der Bühne. Wie schafft man es, bei rund 100 Shows im Jahr das Level zu halten?
Danko: Das Equipment muss halten…
Welby: Und wie steht´s mit euch?
Danko: Man muss sich seine Energie bewahren, gut auf sich aufpassen. Ich hebe mir die Energie für die Show auf – ich interessiere mich nicht für das Sightseeing in der Stadt, in die wir fahren, oder dafür, mit irgendwem da abzuhängen – ich will eine gute Show spielen – darauf konzentriere ich mich. Das ist es, was mir wichtig ist. Das Drumherum, vor allem das Reisen selber, hasse ich eigentlich ziemlich – 23 Stunden Hölle, 1 Stunde Spaß! Wenn ich auf der Bühne stehe und den Leuten erzähle, wie froh ich bin, da rocken zu dürfen, spiele ich ihnen nichts vor. Denn das ist der Teil der Tour, der mir Spaß macht – und das merkt das Publikum.
Welby: Du sagst, dass du den Leuten nichts vorspielst – deine Texte, auch dein Auftreten auf der Bühne, sind oft voller sexueller Anspielungen und ziemlichem Machogehabe. Ist das nicht doch ein wenig ironisch gemeint – spielst du da nicht die Rolle des wilden Rocktypen - Sex & Drugs & Rock ´n ´ Roll und so - mit einem Augenzwinkern.
Danko: Keineswegs – wenn das so für dich rüberkommt, liegst du falsch. Zunächst mal eines: Ich singe nicht über Drogen – denn ich nehme aus Prinzip keine Drogen. „Getting into Drugs“ vom letzten Album war da mehr als Witz gedacht. Die Songs über Rock ´n´ Roll oder Frauen basieren aber in der Regel auf meinen persönlichen Erfahrungen. Der Song „Love Is Unkind“ ist ein paar Stunden, nachdem mich meine damalige Freundin verlassen hatte, entstanden. Songs wie „Hot Damn Woman“ oder „You Are My Woman“ basieren auf realen Begegnungen. Ich könnte nicht über Fiktives singen. Es muss immer eine Verbindung zur Realität haben. Manchmal ist es nur eine lose Verbindung, manchmal ist es Wort für Wort eine reale Geschichte.

Welby: Einer der neuen Songs heißt Revolution. Ich weiß, dass es hier eigentlich um Rock ´n´ Roll gehen soll – aber eine politische Frage sei mir gestattet: Was denkt der Kanadier DANKO JONES über DONALD TRUMP?

Danko: Also ersteinmal zum Song selbst. „Revolution. And Then We Make Love“ ist kein politischer Song – es geht vielmehr um eine Art von Typ, wie wir alle einen kennen – der immer nur behauptet, er sei total sozial und problembewusst und engagiert – tatsächlich aber will er auch bloß das eine…darum geht es hier.
Und zu TRUMP: Ich bin ziemlich deutlich, wenn es darum geht, auf Twitter, Instagram und so. Das hat aber nichts in meiner Musik zu suchen. Ich will zeitlose Musik machen. Da passen tagespolitische Probleme nicht hinein. Songs über Reagan klingen heute allein dadurch ziemlich verstaubt. Das möchte ich vermeiden.
Aber was ich über TRUMP denke: Zunächst mal lebe ich Kanada, also direkt oberhalb von TRUMPS Amerika. Als sich abgezeichnete, dass er gewinnen könnte, war das bereits ziemlich beängstigend für uns. Zum Beispiel, dass er angekündigt hat, aus dem NAFTA-Abkommen auszusteigen, war beunruhigend für uns. Da gibt es genug Leute, deren Jobs, deren Familien direkt dadurch in Gefahr sind. Zudem will TRUMP raus aus dem Klimaschutzabkommen, weil er ein Klimawandel-Leugner ist. Das ist extrem beunruhigend. Natürlich auch sein Einreisestopp für Muslime, selbst wenn der im Moment durch die Gerichte ausgesetzt wurde, ist beängstigend. Allein dass er so etwas ernsthaft umzusetzen versucht, hat der ganzen rechten Alt.Right Bewegung neuen Auftrieb gegeben. Die weißen Rassisten setzen sehr auf seine Präsidentschaft und trauen sich dank TRUMP, ganz offen ihre kruden Gedanken zu verbreiten. Das muss jeden beunruhigen. Auch wer sieht, wie Kelly-Anne Conway „alternative facts“ präsentiert, muss beunruhigt sein. Ich denke, TRUMPS Präsidentschaft ist definitiv eine erschreckende Vorstellung für die ganze Welt.
Aber: Er ist erst einen Monat im Amt und er bricht bereits teilweise ein. Michael Flynn musste zurücktreten, der Einreisestopp für Muslime wurde ausgesetzt, er hat eine extrem verstörende Pressekonferenz gegeben. Ich glaube, er wird nicht die vollen 4 Jahre im Amt erleben.
Welby: Das wäre wünschenswert.
Danko: Jeder wünscht sich das – ausgenommen seine schwindende Anhängerschaft. Es ist interessant, dass kurz vor und direkt nach seiner Wahl jeder seiner Tweets von Millionen retweetet und positiv kommentiert wurde – und jetzt: Ist das plötzlich vorbei. Ein Grund ist, dass Twitter die automatisierten Bots eingeschränkt hat. Ein großer Teil seiner Supporter waren offenbar Bots. Es wird spannend sein zu sehen, wie viele wirklich reale Unterstützer TRUMP hat. Die beiden größten Clowns bisher waren Nixon und George W. Bush. Aber TRUMP!
Die Menge an lächerlichem Mist, der zur Zeit aus dem Weißen Haus kommt, ist auf ein Maß angewachsen, dass es fast an Comedy erinnert.
Welby: Du scheinst eine sehr politische Person zu sein…
Danko: Überhaupt nicht – aber dieser TRUMP – wie kann man da nicht politisch wachsam sein? Da muss man sich doch interessieren und engagieren. Ich meine, ich bin wirklich kein politischer Typ – aber ich will nicht, dass die Welt in Stücke fliegt.
Welby: Zurück zur Tour. Ihr spielt in kleinen Clubs und auf großen Festivals. Was machst du lieber?
Danko: Beides hat seine Reize. Auf dem Festival sehen dich natürlich viel mehr Leute - aber dafür ist es im Club intensiver – und alle sind definitiv nur wegen dir da.
Welby: Viele Musiker, selbst solche, die für uns Stars sind, können vom Rock ´n´ Roll alleine nicht leben – gibt es auch ein zweites Leben von DANKO JONES?
Danko: Wir spielen viel zu viel, um so ein „zweites Leben“ zu führen. Wir sind im Grunde seit rund 21 Jahren ohne große Pause auf Tour.
Welby: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für eure neue Tour!
Danko: Danke und bis bald…

» Interview von Welby Schmidt mit Danko Jones

» Plattenbesprechung von Wild Cat


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