Zu Besuch beim hr3

WW-CHECK BEI POP & WECK

Es ist 7 Uhr, und um ein bißchen wacher zu werden, zappst Du Dich erstmal durch das morgendliche TV Programm. Doch was ist das? Du hast plötzlich dein Radioprogramm im Fernsehen! 1994 hatte der hr3 als erster Sender die Idee, eine Rundfunksendung live im Fernsehen zu übertragen. Wer morgens schlecht aus den Federn kam, dem half die Radiosendung »Pop & Weck« mit frischer Musik in den Tag. Während der Sendung sorgten Studiogäste für Späße und Unsinn. Leider wurde dem Spaß erst einmal ein Ende gesetzt, und eine Fortsetzung ist ungewiß. Grund dafür sind nicht etwa zu geringe Einschaltquoten, sondern die Überlegung, den Kultstatus der ungewöhnlichen Sendung zu bewahren, nach dem Motto: Aufhören, wenn es am schönsten ist.

Erheblichen Anteil am Kult hatte auch Manfred, das Schaf. Denn freitags kam das echte (!) Kuscheltierchen ins Studio, um die Moderatoren blökenderweise zu unterstützen. Am 18.12.96, in eine der letzten Sendungen, hatte der hr3 den Wildwechsel eingeladen. Entgegen den Erwartungen war das Studio keineswegs steril und high-tech-mäßig, sondern glich eher einem chaotischen Künstleratelier. Überall stapelte sich Krimskrams: Spielzeug, Stifte, Kaffeetassen, CDs mit zerfleddertem Cover und ein verwirrender Kabel-Dschungel. Am schrulligsten wirkte die im Studio aufgebaute Stehleiter, von der aus einer der beiden Sendeleiter alle Mitwirkenden in seiner unaufdringlichen Art immer wieder zum Lächeln oder Verschwinden animierte.

Die Moderatorin Susanne Stichler blieb cool, auch wenn hinter ihr zwei Jongleure ihre Keulen schwangen und im 12qm großen Studio fast tropische Klimaverhältnisse herrschten. Zu allem Übel tropfte auch noch die Heizung. Doch gegen Chaos war die Crew von »Pop&Weck« gut gewappnet. Aufgrund wilder Darbietungen passierten in der Vergangenheit schon manche Pannen. Ein Feuerspucker sorgte für Panik, als die Vorhänge im Studio in Brand gerieten. Die folgenschwerste Katastrophe aber passierte, als ein Zauberkünstler durch einen verunglückten Zaubertrick mit diversen Flüssigkeiten das Hauptkontrollpult übergoß. Das führte zu einem minutenlangen kompletten Sendeausfall.

Am Tag des Ww-Besuchs lief die Sendung jedoch ohne Pannen, Sabine Stichler stellte in einem Kurzinterview den Ww vor, und die Ww-Crew bekam die Möglichkeit, "dezent " an der Sendung mitzuwirken. Während dessen wurde auch nebenan hart gearbeitet. Seit sechs Uhr probte dort Frank Seidel für seine Morgensendung und sprach vorab einige Texte auf Band. Kurzfristig kamen ständig neue Beiträge in unserem Studio an, die schnell noch geschnitten und gesendet wurden. Nach drei Stunden Spaß und Arbeit gab es um acht Uhr schließlich das große Abschlußfinale, bei dem alle Mitwirkenden trotz langsam einsetzender Müdigkeit noch einmal ihr Zahnpastalächeln zeigen durften. Da fehlte nur das Schaf Manfred - denn das ist ja immer nur freitags dabei... (ak)