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Mit
"Das Wunder von Bern" schuf Erfolgsregisseuer Sönke Wortmann ein Dokument
deutscher Befindlichkeit in der Nachkriegszeit, das beim Publikum begeistert
aufgenommen wurde. Die Geschichte rund um das unvergessene Fußballspiel,
das den Deutschen nach dem Darben der Nachkriegszeit signalisierte "Wir
sind wieder wer", ging unter maßgeblicher Beteiligung von Künstlern aus
unserer Region über die Bühne.
a
ist zunächst die Kassler Nachwuchs-Akteurin Katharina Wackernagel,
die im Film Annette Ackermann, die Ehefrau eines Sportreporters (Lucas
Gregorowicz, siehe Foto oben) spielt. Das sympathische Paar hat im
Film die Funktion, die Hintergründe des Turniers zu erklären, es setzt
aber auch einen komischen Gegenpol zum Ernst der Haupthandlung. Katharina
Wackernagel, 1978 in Freiburg geboren, wuchs praktisch in Kassel im Theater
auf: Der Vater Regisseur, die Mutter Schauspielerin. Nicht verwunderlich,
dass Katharina ebenfalls in diesen Beruf drängte. Als »Tanja« war sie
Identifikationsfigur für Tausende von Mädchen. Im Gegensatz zum üblichen
Soap-Konzept wurde in dieser ARD- Vorabendserie das Jung-Sein nicht als
Heile-Welt, sondern als Lebensabschnitt voller Gefahren und Chancen dargestellt.
Mit 17 entschloß Katharina sich, die Schule zu schmeißen und setzte sich
ohne sonderliche Schauspielausbildung beim Casting für die Titelrolle
der "Tanja" gegen 450 Mitbewerberinnen durch. Für die Dreharbeiten musste
sie von Kassel nach Rostock ziehen. Der Umzug erwies sich als richtige
Entscheidung: 1998 gewann die junge Schauspielerin den RTL-Fernsehpreis
"Goldener Löwe". Der Spiegel lobte sie als "Antityp zu den ranken und
intriganten Soap-Girls". Im Gegensatz zur Masse der austauschbaren Vorabend-Mimen,
interessiert es Katharina Wackernagel nach eigener Aussage, in Rollen
zu schlüpfen, die ihr fremd oder gar unsymphatisch sind. So sammelte sie
Erfahrungen in unterschiedlichen Genres - vom Thriller »School's out«
(1999) bis zur Liebeskomödie »Mädchen Nr.1« (2003). Die mittlerweile in
Berlin wohnhafte Katharina Wackernagel wurde nun als Idealbesetzung für
Filme über unglaubliche Ereignisse entdeckt. Neben dem »Wunder von Bern«
stand nämlich die TV-Produktion "Das Wunder von Lengede", eine Geschichte
um 11 Kumpel, die 14 Tage unter der Erde eingeschlossen waren.
Ein weiterer Mitwirkender beim »Wunder von Bern« ist Heinrich Hadding,
der auf dem Gut Sieberhausen aufwuchs und in Warburg zur Schule ging.
Er spielt nicht nur eine kleine Rolle in dem Film und schrieb eine kleine
Szene (Mutter und Sohn am Fluss), sondern bekam von Sönke Wortmann, den
er in Amerika kennengelernt hatte, die Aufgabe, die Fußballmannschaft
zu casten. Heinrich Hadding brillierte Mitte der 90er Jahre in Warburg
in einer von ihm geleiteten Aufführung der Theater AG des Marianums: Im
"Club der toten Dichter" spielte er die Hauptrolle des gütigen Lehrers
überzeugend und trieb seine Mitspieler zu Höchstleistungen an. Außerdem
spielte er beim Musiktheater Dingo Anfang der 90er Jahre in der deutschen
Inszenierung der russischen Rock-Oper »Avos!« den heldenhaften Flottenoffizier
Chvostov, der durch eine flinke Zunge und unglaubliche Trinkfestigkeit
bestach.Der Ww-Leser der ersten Stunde schrieb 1989 einen Leserbrief
an den Wildwechsel, in dem er einen Einblick in den American Way
Of Life gab:"Da stand ich nun in Boston, nicht weit entfernt von der dortigen
Stadthalle und überlegte, ob ich denn nun die 4 Dollar fürs Kino oder
den Big Mac ausgeben sollte." Hätte er damals in den Burger gebissen,
wäre er vielleicht heute Leiter einer MacDonalds-Filiale, doch er entschied
sich fürs Kino, das bald zu seiner großen Liebe wurde. In den USA absolvierte
er am Ithaca College "with honors" sein Filmstudium. Sein Debütfilm »Breaking
Dawn« über eine Liebe im frühen Nazi-Deutschland wurde bei diversen Festivals
ausgezeichnet.
Hadding hatte schon bei Wortmanns Film »Der Himmel von Hollywood« im Hintergrund
mitgewirkt - als Hiwi für den Kaffee und die Kopien. "Aber zumindest zum
Fußball-Quatschen mit dem Chef hat's gereicht und wir waren uns gegenseitig
sehr sympathisch," erinnert er sich im Gespräch mit dem Ww: "Im
Casting der Fußballer für das Wunder von Bern sahen er und sein Geschäftspartner
Tom Spieß die Gelegenheit, mich weiter auszutesten." Deshalb schickte
Wortmann ihn auf die Fußballplätze, wo er nach schauspielerisch begabten
Kickern suchte, die Ähnlichkeiten mit den Heroen um Fritz Walter und Helmut
Rahn hatten. Aus 1500 Bewerbern siebte Hadding eine "verantwortungsvoll
vorsortierte Auswahl" heraus, aus der Wortmann dann die Elf bildete, die
das deutsche Schicksals-Match auf der Leinwand nachspielen durften. Plus
Ersatzspieler und ungarische Gegner! Übrigens wurde Hadding auch in seiner
alten Heimat fündig: Die Rolle des Kickers Hans Schäfer wird von Martin
Bretschneider (28) gespielt, der früher beim SJC Hövelriege (Sportkreis
Paderborn) als Spieler aktiv war und inzwischen in Graz als Schauspieler
arbeitet. Hadding ist weiter bei Wortmanns Firma »Little Shark Productions«
beschäftigt, er betrachtet dies als "eine Art Gewächshaus, wo ich in äußerst
angenehmem Umfeld erproben kann, ob meine Regie-Ambitionen gerechtfertigt
sind". Seit 2002 arbeitet er an einem Fernsehfilmdrehbuch, das er für
die Firma auch inszenieren soll. Übrigens gab er Wortmann auch die Inspiration
für den Namen der "Frau von Hadding", die im »Wunder von Bern« vorkommt:
"Ich habe nicht schnell genug nein gesagt," erinnert er sich schmunzelnd.
(jha/lj)
[
www.wunder-von-bern.de
]
[
www.littleshark.de
]
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