Hip Hop in Kassel
Die Szene wächst


 

 

 

Denkt man an die Kasseler Hip-Hop Szene, fallen einem zunächst die überregional bekannten DJs Chilli T. und Membrain ein. Beim genaueren Hinschauen bemerkt man, das Kassel weitaus mehr zu bieten hat. Inzwischen hat sich ein Netzwerk entwickelt, bei dem Rap, Breakdance und Graffiti in Kassel gleiche Wege gehen.

ie Szene wird über einen News-Letter informiert, den der »Unity Shop« - Kristallisationspunkt der Aktivitäten - alle zwei bis drei Wochen verschickt. Organisatorisch stellen die »Cuzzle Hyopaiz«, die sich bald neu im »Verein zur Förderung der Jugendkultur« zusammen finden wollen, Einiges auf die Beine. Von Spray-Events bis hin zu Parties wollen sie erreichen, "dass einfach mehr in Kassel passiert." Doch es soll nicht nur gefeiert werden: Man bemüht sich, auch politische Verbesserungen für die Szene durchzusetzen. Wenn es z.B. um legale Sprühflächen für Graffitis geht, sorgt man mit Unterschriftenaktionen oder Demonstrationen für Druck.

Leider sind Groß-Events wie der Mai-Jam, der damals vom Skateboardverein »Mr. Wilson« veranstaltet wurde, den Verantwortlichen über den Kopf gewachsen. Was als Fest mit ein paar Freunden begann, endete beim letzten Mal mit über 3000 Personen. Dabei kam es sogar zu Ausschreitungen. Solche Vorfälle sollen sich in Zukunft keinesfalls wiederholen.

Musikalisch entsteht in Kassel eine Menge. Auf der einen Seite ist die sogenannte S'DUDI-YO-CREW mit den Acts Rhymellow und LST da phunky child, die bereits ihre eigenen Alben im Rough-Remarks-Studio, im Keller des Rappers Rhymellow, aufgenommen haben. Der Sound von LST ist soulig und hat starke Jazz-Einflüsse. Rhymellow macht ehrlichen deutschen HipHop, der sehr verspielt und abwechslungsreich wirkt. Auf der anderen Seite sind die sogenannten DEADLY HYENAS mit ca. 20 Personen und die FESSELN DER WAHRHEIT, die den aggressiven Rap in Kassel repräsentieren. Das Problem in der Nordhessen-Metropole ist, dass es kaum einen Club gibt, der sich zum Szenetreff eignet. Eine Möglichkeit sind die Konzerte, die im Spot von »Cambit Clothing« organisiert werden. Dort kann man vor bekannteren Acts, vor allem aus den USA (AFU-RA, GROUP HOME etc.), auftreten, oder auf den Hip-Hop-meets-Reggae-Parties. Doch das ist eher selten. Seitdem das Querbeat geschlossen wurde, wird nur noch das K19 von der Szene als Location akzeptiert. In Kassels Umgebung gibt es weitere vielversprechende musikalische Aktivitäten, wie zum Beispiel die RAPORTAZ oder das DUO NORD. Die zum Teil aus Göttingen stammenden RAPORTAZ, die im letzten Monat als Support für den amerikanischen Rap-Star Gang Starr aufgetreten sind, unterstützen auch andere Nachwuchsrapper und haben deswegen die »Raportaz-Family« gegründet. Alle finden sich entweder in den Rough Remarks-Studios wieder oder im Unity Shop.

Eine wichtige Rolle in der HipHop-Szene spielt nach wie vor die Graffiti-Kunst. Die Raportaz-Familie wirbt so auch für den Spray-Dosen-Hersteller Molotow. Interessiert man sich für Graffiti, führt in Kassel aber nichts an dem Namen »Anus« vorbei. Wer einmal eine Skizze, einen Schriftzug oder ein Graffiti von ihm gesehen hat, dem ist mit Sicherheit der Perfektionismus des Künstlers aufgefallen, der inzwischen Hamburg mit seinen Graffitis verschönert. Die Sprayer-Szene rund um den »Unity Shop« hatte ihren Höhepunkt während der letzten »documenta«, als sie eine eigene Graffiti-Ausstellung präsentieren durfte. Präsentiert wurden Graffitis von allen, die Rang und Namen haben: von Daim und Seak bis hin zu Sprayern aus fernen Ländern.

Bei den Breakern ist Leroy the B-Boy wohl das Maß aller Dinge in Kassel. Der exellente Tänzer sucht auch weit über die Grenzen Nordhessens hinaus seines Gleichen. Unter anderem hat er zusammen mit Rhymellow (CD, Foto o.) eine Show kreiert, die viele chinesische Elemente enthält. Diese Show hat schon viele Zuschauer fasziniert. Er tritt mit seinen aufwendigen Choreographien in ganz Deutschland auf. Darüber hinaus ist Leroy Tanzlehrer und unterrichtet Tänzer aller Art.

Es sind alles eigenständige Elemente, egal ob Rap, DJaying, Breaker oder Graffiti, doch Kassel schafft es, sie unter dem Begriff Hip Hop, oder »Cuzzle Hyopaiz« zu vereinen. Sodass es sich bündelt und man Spaß an der Sache hat. Denn letztlich ist all das ein Lebensgefühl mit Namen HipHop. (kai)

[ www.raportaz@raportaz.de ]
[ www.phunkyChild@web.de ]
[ info@unityShop.de]