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Autorin erfindet Biografie |
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Die
Schriftstellerin Ulla Ackermann ist der Karl May unserer Zeit. Ihr Buch
»Mitten in Afrika« verkaufte innerhalb weniger Monate 25.000 Exemplare.
Überall, wo Gefahr drohte und Abenteuer lockten, will sie dabei gewesen
sein - genau wie einst Old Shatterhand alias Kara Ben Nemsi. Und wie damals
ist leider fast alles frei erfunden. Deshalb war es relativ leicht für die Journalisten des SPIEGEL, der
Schwindlerin auf die Schliche zu kommen. Es ging schon damit los, dass
Ulla Ackermann in Ihrem Buch angab, für die TV-Sender CBT (England) und
TRN (Italien) gearbeitet zu haben - Sender, die es überhaupt nicht gibt.
Ihre dubiose Erklärung dazu lautete zunächst, sie hätte sich verpflichtet,
die wahren Namen ihrer Arbeitgeber nicht zu nennen. Der SPIEGEL bohrte
weiter und fand Erstaunliches heraus: So will sie Nelson Mandela (Foto
unten) mehrfach interviewt haben. Zunächst auf der Gefängnisinsel Robben
Island, wo er nach eigener Aussage überhaupt kein Interview gegeben hatte.
Später im Gefängnis in Pretoria, wo er nachweislich überhaupt nicht inhaftiert
war. Für das Gespräch mit Osama Bin Laden (Foto oben), der ihr angeblich
seine Waffenarsenale (!) in Somalia gezeigt haben will, gibt es ebenfalls
keine Zeugen. Überhaupt fand der SPIEGEL nicht einen einzigen Kollegen,
der der umtriebigen Reporterin bei ihren Recherchen in Afrika begegnet
war - in einer Region, wo westliche Journalisten Netzwerke bilden, um
sich gegenseitig zu unterstützen, sind solche Alleingänge nahezu unmöglich.
Eine moderne Baronin von Münchhausen, die auf jeder Kanonenkugel reitet
und sich stets selbst am Schopf aus dem Sumpf zieht??? Bei aller überbordenden Fantasie und Sympathie für die Wärme Afrikas,
die Natur und den "Geruch uralter, schwerer Erde" hat Ulla Ackermann offenbar
auch noch miserabel recherchiert. "Jeder Journalist, der vor Ort gearbeitet
hat, weiß, dass viele Ackermann-Behauptungen schlicht falsch sind," betonte
der ARD-Korrepondent Michael Franzke Anfang Juni im SPIEGEL (23/2003).
Michael Bitalla bezeichnete in der Süddeutschen Zeitung (26.5.) das Buch,
"in dem kein einziger intelligenter Afrikaner vorkommt", als "baren
Unsinn", geprägt von einer rassistischen und kolonialistischen Weltsicht.
Ob es nun stimmt, dass ihre zweijährige Tochter an Malaria starb und ihr
Kameramann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, ja, ob sie Journalistik
studierte, als Model arbeitete und einen römischen Adligen heiratete -
wer wird das je erfahren? Die vielen atemberaubenden Filme, die sie angeblich
gedreht haben will, sind jedenfalls nicht mehr aufzufinden. In Afrika
war sie aber wohl mindesten einmal: Fotos im Internet belegen eine einjährige
Afrikareise gemeinsam mit ihrem Freund Jochen Osterloh und einem Unimog
von 1999 (Adresse s.u.): Die beiden sonnen sich allerdings an Stränden
und genießen die Landschaft, statt sich in Krisenregionen zu begeben.
Auch hier sind allerdings zu weiten Teilen der Reise die Fotos "auf
dem Weg nach Europa verschollen. Die Spur verliert sich irgendwo,"
wie es auf der Website heißt. Außerdem schrieb sie gemeinsam mit anderen
Autoren Reiseführer über Senegal, Gambia, Namibibia, Tansania und Südafrika
(bei DU MONT, KOVAL und MERIAN). Aber eine Kriegsreporterin war sie wohl nicht, auch wenn ihr Verlag
noch einige Wochen zu ihr hielt und sie dem »Spiegel« rechtliche Schritte
androhte. Ende Juni brach das Kartenhaus aber endgültig zusammen: HOFFMANN
& CAMPE nahm das Buch und die inzwischen produzierte Hörbuch-CD vom Markt,
stampfte die gesamte Auflage ein und kündigte an, enttäuschten Buchkäufern
den vollen Preis von EUR 21,90 zurückzuerstatten. Die Erklärung: "Ulla
Ackermann gibt zu, weite Teile ihrer Biografie frei erfunden zu haben.
Sie hat nicht nur den Verlag, sondern offensichtlich auch seit vielen
Jahren ihr privates Umfeld über ihre Lebensgeschichte getäuscht." Und wie erging es damals Karl May? Dem gelang es nur kurze Zeit, den Schein aufrechtzuerhalten. Nachdem Widersacher ihn öffentlich als "Schummler" outeten, brach auch seine reales Leben wie ein Kartenhaus zusammen. Betrüger nutzten sein angeschlagenes Image, um ihn auch finanziell zu ruinieren. Obacht, Ulla! (lj)
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