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"Premium"
heißt das Schlagwort, das sich auf immer mehr Internetseiten finden lässt.
Premiumdienste, Premiumversionen, Premiumangebote, Premium-Content - so
unterschiedlich die Wortspielereien mit dem Qualität suggerierenden Wort
auch sind, in einem ist sich die Onlinebranche einig: Premium kostet Geld.
er
Zusammenbruch des Onlinewerbemarktes macht sich offenbar in einer Premiumwelle
bemerkbar. Onlinefirmen suchen nach neuen Einnahmequellen; daher gibt's
immer mehr Infos und Dienstleistungen im Internet nur noch gegen Bares.
Bisherige kostenlose Angebote werden nun einfach in Premiumangebote umgetauft
oder scheinbare Sonderleistungen als Premiumservice verkauft. Vor allem
gratis Web-Mail Anbieter wie Web.de, GMX und Hotmail kündigen an, in Zukunft
für bestimmte Dienstleistungen Geld zu verlangen. Offensichtlich wird
zwar die E-Mail Grundversorgung weiterhin kostenlos bleiben, Zusatzdienste
werden aber nur noch gegen Gebühr angeboten. Größerer Speicherplatz und
werbefreie Mails kosten schon jetzt bei allen Anbietern. In den USA verlangt
Yahoo sogar 29,99 Dollar im Jahr für eine einfache Weiterleitung der Yahoo
Mails auf ein E-Mail Programm wie Outlook. Auch immer mehr Zeitschriften
setzen auf kostenpflichtige Inhalte bei ihren Online-Auftritten. So sind
große Teile des Online-Angebots des Spiegels inzwischen nur noch gegen
Gebühr abrufbar. Besonders die Titelstory der nächsten Print-Ausgabe,
die man im Netz bereits Samstags für 50 Cent lesen kann, soll Usern das
kostenpflichtige Premiumangebot schmackhaft machen. Auch Konkurrenzmagazine
wie Focus und die Financial Times bieten inzwischen "spannenden Mehrwert"
gegen Gebühr an. Selbst T-Online stellt seit Anfang des Jahres Lernprogramme,
Musikdateien und Spiele zum kostenpflichtigen Download zur Verfügung.
Vorstandschef Thomas Holtrop zeigt sich zufrieden mit dem neuen Angebot.
Es gäbe eine rege Nachfrage. Die Nutzer seien bereit, für hochwertige
Dienste zu bezahlen.
Die Stiftung Warentest, die mit ihrer Web-Site Test.de in Deutschland
zu den ersten gehörte, die Geld für Inhalte im Internet verlangte, zieht
ebenfalls eine positive Bilanz. Im letzten Januar sind nach Angaben der
Warentester rund 28.000 Testergebnisse und Infodokumente abgerufen worden,
was Einnahmen von 45.000 Euro erbrachte. Internationale Marktfoschrungsstudien
liefern allerdings weniger positive Einschätzungen zur Akzeptanz des Bezahl-Webs.
Laut der Agentur Jupiter MMXI lehnen es 47 Prozent der westeuropäischen
Internetuser generell ab, für Inhalte aus dem Internet Gebühren zu entrichten.
16 Prozent wären noch am ehesten bereit für Musik zu bezahlen, jeweils
5 Prozent für Live-Konzerte, Finanzinformationen und Sport. Zahlungswilligen
Usern soll mit sogenannten "Micro-Payment-Systemen" das Geld möglichst
benutzerfreundlich aus der Tasche gezogen werden. Unternehmen wie Firstgate,
Paybox, Click & Buy oder Paysafecard sammeln die Kleinbeträge, die im
Netz anfallen, auf einem Konto und rechnen dann in regelmäßigen Abständen
per Lastschrift, Kreditkarte oder Telefonrechnung ab. Leider gibt es kein
einheitliches System. Bei jedem Pay-Modell muss sich ein User zunächst
mit den Geschäftsbedingungen vertraut machen und sich bei jedem System
einzeln anmelden. Das kostet Zeit, die man auch für die Suche nach kostenlosen
Alternativen des Web-Angebots aufbringen kann. Momentan gibt es nämlich
noch genügend Content, der nicht hinter dem digitalen Bezahlgitter verschwunden
ist. Der kommt dann zwar nicht in der "Premiumverpackung" - ist inhaltlich
aber oftmals genau so gut. Internetjournalist Evan Williams hat dem Thema
übrigens eine ständig aktualisierte Website unter der Online-Adresse www.TheEndofFree.com
gewidmet. Er mahnt vor dem Ende der Gratiskultur und ruft zum Boykott
von Bezahldiensten auf. (olm)
[
www.TheEndofFree.com
]
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