Die Orion fliegt wieder
Mit dem Bügeleisen durchs All


Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von Übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem. Eins dieser Raumschiffe ist die »Orion«, winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt. Begleiten wir die »Orion« und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit...

ein, das Raumschiff heißt nicht »Enterprise«, sondern wirklich Orion. Und mit obigen Text begann jede Folge der legendären ARD-Serie "Raumpatrouille Orion". 1966, vier Jahre vor Geburt der "Star-Trek"-Serie in Amerika, zeigte die ARD eine ganz ähnlich gelagerte Reihe, die sich damals als Straßenfeger entpuppte. So etwas hatte das deutsche Publikum noch nicht gesehen: 7 Folgen lang starteten Commander McLane (Dietmar Schönherr) und Sicherheitsoffizier Tamara Jagellovsk (eine Russin - aus dem damaligen Reich des Bösen) (Eva Pflug) ins All. Sie kämpften gemeinsam gegen Schurken, die ins All verbannt wurden (Modell Australien), Meteoriten und Supernovas, vor allem aber gegen die gefährlichen Frogs, die die Erde mit ihren dreieckigen Raumschiffen erobern wollen. Ein Meisterwerk war die Abschlussfolge der Serie mit dem Titel »Invasion« - dort war es den Frogs gelungen, Helden der Serie wie den strammen Sicherheits-Chef Oberst Villa (Friedrich Joloff), für ihre Zwecke zu manipulieren, um die Erde zu erobern.

Kultstatus bekamen die Kulissen von Rolf Zehetbauer, der später für seine Gestaltung von Cabaret den Oscar gewann. Mit einfachsten Mitteln schuf er ein Design, das damals als futuristisch empfunden wurde: Duschköpfe, Wasserhähne und Bügeleisen fanden Eingang in die Kulisse, die heute auf charmante Weise komisch wirkt. Auf gleicher Linie liegt die Musik von Peter Thomas, der auch die Edgar-Wallace-Krimis vertonte: Sie klingt wie ein spaciger Verschnitt von Orchestermusik der 60er à la Kai Warner, zu der in einer Unterwasser-Bar stilvoll herumgewackelt wurde. »Raumpatrouille Orion« war nicht nur die erste deutsche, sondern die erste europäische Science-Fiction-Serie überhaupt. Der Eindruck dieser Fernsehserie war so stark, dass es bis heute noch einen Fan-Kult gibt. Dabei wurden damals nur 7 Folgen gedreht, die immer wieder geplanten Fortsetzungspläne scheiterten aus den unterschiedlichsten Gründen. Nur in einer nicht enden wollenden Heftchenreihe durfte die Orion weiterfliegen. Und SAT 1 wiederholte die alten Episoden immer wieder. Nach fast vier Jahrzehnten gibt es nun etwas Neues von der Orion: Ein Kinofilm wurde fertig gestellt.

Doch keine Angst: Noch (?) gibt es kein dünnes Remake, wie wir es von amerikanischen TV-Serien-Klassikern wie »Schirm, Charme und Melone« und »Auf der Flucht« erleben durften. Mit viel Respekt vor dem Original wurden Bild, Ton und Soundtrack auf den Stand der Zeit gebracht. "Das heilige Originalnegativ wurde bei Geyer Berlin mit Samthandschuhen angefasst, gereinigt, nass abgetastet, retuschiert und für Kinoprojektion lichtbestimmt. Da mussten viele Flecken und Spratzer ausgebügelt werden," so berichtet Produzent Stephan Reichenberger von den Arbeiten. Gleiche Mühe wurde auf die Musik von Peter Thomas verwandt, der die Originalbänder von damals beisteuerte, die nun mit moderner Tontechnik klanglich abgerundet wurden.

So entstand so etwas wie eine Mischung aus Best-Of-Collection und Director's Cut: Die spannendsten Szenen der Serie wurden dramaturgisch geschickt zusammengefasst vom ersten Kontakt mit den "Frogs" bis hin zum schaurigen "Invasions"-Finale. Verbunden werden die Ausschnitte durch Zwischentexte einer Nachrichtensprecherin der "Sternenschau" mit dem Namen Helga Krap - natürlich im stilechten »Orion«-Look. Aber wer könnte die nur spielen???

Die Wahl fiel auf Elke Heidenreich, bislang eher bekannt als Talkshow-Moderatorin und Schriftstellerin. Die Besetzung verblüfft nur auf den ersten Blick, auf den zweiten passt die Dame perfekt ins 60s-Space-Ambiente. Elke Heidenreich genoss die Dreharbeiten laut eigenen Angaben: "Der Film ist ja zum Schreien. Das Bügeleisen! Die Wasserhähne! Die Frisuren! Am allerschönsten: die Dialoge! Ich fand alles brüllend komisch." Und noch ein Held aus der Gegenwart fand den Weg ins Orion-Universum: Den legendären Eröffnungstext (s.o.) spricht in der Kinofassung Ben Becker mit sonorer Stimme. (lj)

 


[ www.orionspace.de ]
[ www.raumpatrouille-derfilm.de ]