Madonnas "American Life"
Die Pop-Rebellin



Madonna:
Vorbild zweier Generationen Sängerinnen zur Pop-Ikone

Jeanette: "Früher, als ich noch Karaoke gesungen habe, waren die Madonna-Songs immer meine allerliebsten. Mich fasziniert Madonnas Wandlungsfähigkeit. Ich mag sie einfach sehr gern."

Doro Pesch: "Ich habe große Hochachtung vor einer Künstlerin wie Madonna. Sie hat mich immer inspiriert. Sie hat sich nie angepasst, war immer sie selbst, extrem rebellisch und sehr, sehr kreativ. Das mag ich sehr."

Christina Lux: "Madonna: eine starke Frau, die immer ihren Kopf durchgesetzt hat, eine Pop-Ikone mit vielen Gesichtern. Musikalisch berührt sie mich nicht so sehr, zu kühl für mich."

Carmen Brittinger (The Spirit Of Mrs. Peel): "Madonna ist eins der herausragendsten PopIdole unserer Zeit. Sie hat es in den letzten 20 Jahren geschafft, sich permanent weiterzuentwickeln. Nicht nur durch ihre Musik hat sie Trends setzen können, sondern auch durch ihren Modestil."

Lucy (No Angels): "Ich bin ein ganz großer Madonna-Fan. Sie ist so innovativ, kreativ, emanzipiert - und immer sich selbst treu geblieben. Ich kann alles von ihr auswendig - Songs, Filme, Bücher."

Akampita Steiner: "Ich finde es gut, dass sie als Künstlerin Tabu-Themen aufgreift und sich mit Klischees wie "Heilige und Hure" auseinandersetzt. Sie muss aber aufpassen, dass sie nicht zum Spielball der Medien wird."

Susanne Vogt: "Madonna ist für mich so eine Art Pop-Model. Wie die Fashion-Branche mit ihren Shows setzt sie mit den Outfits ihrer Konzerte und Videos Trends. In ihrer Musik nimmt sie eher Trends auf. Die eigentliche Persönlichkeit hinter den vielen Stylings hat sich mir nicht erschlossen. Das macht Madonna auch rätselhaft."

Björk: "Ich respektiere Madonna sehr. Ich denke, sie ist ein ganz besonderer Mensch. Sie kann ja nichts dafür, dass sie ständig von diesem Tross an Leuten umgeben ist. Dieses Theater macht nicht sie. Es sind die Medien."

Anke (Mila Mar): "Madonna hat ihren Arsch in der Hose verloren! Gesellschaftliche Kritik, die man ihr früher noch abnahm, ist nun endgültig zum modischen Selbstzweck verkommen. Madonna zeichnete sich in den Neunziger Jahren durch musikalische Innovationen aus, jetzt scheint sie auf Nummer sicher zu gehen und hängt der zeit hinterher."

Quellen: Woman 9/03 & Ww-Umfrage



 

Ein Paukenschlag: Madonna stürmte im Mai mit dem Album »American Life« furios die Charts vieler Länder. Das Album ist eine Bestandsaufnahme der Brüche und Verlogenheiten der US-Gesellschaft, ihres Größenwahns und ihrer Provinzialität. Ein Album, das für Aufsehen sorgte wie kaum eine andere Veröffentlichung der letzten Monate - und dass nicht nur, weil Madonna modernen elektronischen Pop mit der guten alten Singer/Songwriter-Music kreuzt, die schon immer ein beliebtes Ausdrucksmittel für Kritik am "American Way Of Life" war. Der Rummel kommt auch daher, dass Madonna das Album zu einem Zeitpunkt veröffentlichte, als Amerika mit dem Irak-Feldzug seinen Führungsanspruch in der Welt erneuerte.

adonna Louise Veronica Ciccone - so ihr ganzer Name - ist eine Frau, die den Stillstand hasst. Wie ein Chamäleon führt sie uns immer wieder neue Facetten ihrer Persönlichkeit vor, in der Pop-Welt nur vergleichbar mit David Bowie. Wie dieser ist sie eine Meisterin der Maske und der Verwandlung, die jedoch nie ganz in ihren Verkleidungen aufgeht. Dahinter bleibt sie spürbar als selbstbewusste Frau mit einem ungeheuer starken Willen und einer Freude an der Provokation. Aber klar: Wer sich "Madonna" nennt, muss mit Widerspruch rechnen. Der Anspruch, sich auf eine Ebene mit der heiligen Jungfrau zu stellen ("Like A Virgin"), ist dermaßen überzogen, dass er von vornherein eine augenzwinkernde Distanz zum Starkult ausdrückt. Zumal Vieles an Madonna so ganz und gar nicht jungfräulich wirkt...

adonna wurde 1958 in Bay City/Michigan als eins von sechs Kindern eines Autoschweißers geboren. Sie wurde streng katholisch erzogen, die Mutter starb früh. Sie nahm Schauspielunterricht, arbeitete als Model, Backgroundsängerin und Verkäuferin, tingelte mit Tanz- und Tourneetheatern, lernte Gitarre, Keyboard und sogar Schlagzeug. Der Durchbruch gelang ihr 1983 mit fröhlichen Pop-Liedchen wie »Holiday« und »Lucky Star«. Ihr Auftauchen in den Achtzigern ließ sie zunächst wie eine verwöhnte Pop-Zicke unter vielen wirken: Sie zelebrierte sich als »Material Girl«, das den Luxus liebt und nach dem Motto liebt und lebt: "Wer nichts auf dem Konto hat, hat bei mir nichts zu melden". Ernst oder Ironie, das war in diesem Moment noch nicht zu erkennen. Nur, dass da eine Spaß hatte, sich in den Vordergrund zu drängen - ein wenig Luder, ein wenig Naivchen à la Marilyn. Sie prägte nicht nur den Girlie-Look, sondern setzte mit jedem neuen Outfit Maßstäbe, an denen sich nicht nur unzählige Teenies orientierten. Stimmlich ragte sie nicht aus der Masse der Sternchen heraus, trällerte anspruchslose Nummern wie den Hispano-Schlager »La Isla Bonita«. Restlos überzeugte allerdings ihre stets fordernd-selbstbewusste, trotzdem aber betont feminine Performance. In der Zeit, als der Videoclip seinen endgültigen Siegeszug antrat und die Musik immer mehr in den Hintergrund drängte, war sie die richtige Frau am richtigen Platz, die die Männer reizen und gleichzeitig den Frauen neue Wege weisen konnte. Weg vom drögen, lustfeindlichen Feminismus der Frühphase, hin zum Ausleben von Weiblichkeit in Verbindung mit einem selbstverständlichen Einklagen von mindestens der Hälfte des Himmels für die Girls und Ladies.

o war sie geradezu prädestiniert dazu, in der Wendephase zu den Neunzigern als neue Prophetin der inzwischen auch schon in die Jahre gekommenen Religion der freien Sexualität zu wirken. Programmatisch dafür war der Hit »Like A Prayer«, wohl einer ihrer besten Songs, der Spiritualität und Sexualität zusammenführte. Im Video zu »Like A Prayer« küsste sie einen schwarzen Gekreuzigten wach. Madonna, die Sex-Göttin, wollte die Liebe zelebrieren wie ein Gebet, ließ sich 1992 dann in mehr als freizügigen Posen und Situationen für einen Fotoband mit dem Titel »Sex« ablichten. Passend dazu erschien das Album »Erotica«. In dieser Zeit forderte ein amerikanischer Kardinal den Papst auf, sie zu exkommunizieren.

nd dann wieder ein Image-Wechsel: Ausgerechnet sie, deren Schauspiel-Darbietungen in diversen Filmen selten überzeugten, wurde für die Hauptrolle der Verfilmung von Andrew Lloyd-Webbers Musical »Evita« (1996) auserkoren. Ein hoher Anspruch, denn zweifellos ist »Evita« mit seinem harten Blick auf die korrupte Politik in Südamerika eins von Webbers besseren Werken, dass zudem hohe Ansprüche an die gesanglichen Fähigkeiten der Hauptdarstellerin stellt. Evita Peron, die aus einfachsten Verhältnissen kommt und dann zur Hoffnung der Armen wird - dies war ein Stoff, der eine wie Madonna reizen konnte. Dafür nahm sie ausgiebig Gesangsunterricht und stilisierte sich gekonnt als Grande Dame. Und siehe an: Die Häme verstummte plötzlich, Madonna hatte hart an sich gearbeitet und überzeugte die Skeptiker.

rstmals wurde sie auch musikalisch ernstgenommen. Sie ruhte sich glücklicherweise nicht auf diesen Lorbeeren aus und wechselte endgültig ins Musicalfach. Nein, sie nahm es als Ansporn, noch mehr an ihrer Musik zu feilen. Dabei vertraute sie nicht nur auf die eigene Kraft. Sie tat sich für das ein wenig spirituell wirkende Album »Ray Of Light« mit dem genialen britischen Soundbastler William Ørbit zusammen, einem mit allen Wassern gewaschenen Symphonik-Elektroniker. Madonna präsentierte sich in seinen Klängen reifer, abgeklärter, passend zu ihrer neuen Mutter-Rolle (1997 wurde Tochter Lourdes geboren, 2000 folgte Sohn Rocco).

er nächste Meister, dem sie sich anvertraute, war der französiche Produzent Mirwais Ahmadzai, der allerdings schneller zur Sache und härter auf den Punkt kam als der nun nur noch als Co-Produzent mitwirkende Ørbit: Das Album »Music« (2000) klang frecher und moderner als der von vielen als Meisterwerk gefeierte Vorgänger. Gemeinsam mit Ahmadzai erarbeitete Madonna dann auch den Titelsong zum James-Bond-Film »Die Another Day«, mit dem sie 2002 einen Smash-Hit landete.

nd nun also »American Life«: Madonna im Che-Guevara-Look auf dem Cover! Eine späte Erbin der 68er, die nach allen Luxus-Exzessen ihr soziales Gewissen entdeckt? Angeblich hat Oscar-Preisträger Michael Moore, der wohl härteste Kritiker der Bush-Administration, der "Moral Majority" und der Waffenlobby, die Initialzün- dung zu diesem Album gegeben. Aber natürlich kann Madonna, die ja selber eine Verkörperung des amerikanischen Traums ist, nicht wo weit gehen wie Moore. Sicher, die Songs rechnen ab mit dem American Dream. Madonna geißelt die Traumwelt von Hollywood genauso wie ein ihr sicher nicht unbekanntes Luxusleben mit 3 Kindermädchen, 5 Butlern und zig Limousinen, während anderswo die Armut herrscht. Im Video zum Titelsong präsentierte sie sich im Military Look, der nun erneut zum Modetrend wird, und ließ es entsprechend krachen. Dummerweise brach kurz nach Veröffentlichung der echte Krieg los, und Madonna fühlte sich genötigt, das umstrittene Video zurückzuziehen. Ihre Erklärung: "Due to the volatile state of the world and out of sensitivity and respect to the armed forces, who I support and pray for, I do not want to risk offending anyone who might misinterpret the meaning of this video." Rückzug aus Respekt vor der Armee und aus Angst vor Fehlinterpretationen zu Kriegszeiten? Seltsam, das hätte sie auch vorher bedenken können! Die Mehrheit der Amerikaner versöhnte sich aber prompt mit ihr und kaufte das Album Ende April an die Spitze der US-Hitparade, Deutschland und England zogen nach. Also doch alles nur Kommerz?

ins ist sicher: Madonna wird uns immer wieder überraschen und weiterhin beeinflussen. Bei den vielen Alt-Stars, die sich auf der faulen Haut ausruhen und stets die selbe Masche reiten, ist das ja auch schon mal was... (lj)

[ www.madonnamusic.de ]
[ www.madonna.com ]
[ www.madonnashots.com ]