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Monaco,
Liechtenstein, Luxemburg - kleine Staaten sind hoch angesehen, beliebte Reiseziele
und ziehen das große Geld an. Warum diesen wohlklingenden Namen nicht einen neuen
hinzufügen, dachte man sich auf der Ostsee-Insel Rügen: den Freistaat Rügen.
andrätin
Kerstin Kassner gelangte mit dieser ungewöhnlichen Idee in die Schlagzeilen. Sie
verwies auf das positive Beispiel der britischen »Isle Of Man«, die als Inselstaat
wirtschaftlich blüht und gedeiht. Laut NTV wollte man sich weiter von Deutschland
vertreten lassen, innenpolitisch aber größtmögliche Souveränität erreichen. So
war von eigenen Euro-Münzen und Briefmarken die Rede, die als Sammelobjekte Geld
in die Staatskassen bringen könnten. Die Tourismusbranche begeisterte sich sofort
für die Idee: Raymond Kiesbye vom örtlichen Tourismus-Verband erhoffte sich wachsendes
Interesse von Touristen durch eine Unabhängigkeit: "Wie die Kanalinseln oder die
Isle of Man könnte auch die schöne Insel Rügen von einer solchen Neugier profitieren."
Der Run auf die Insel ist aber auch heute schon groß - bereits zu DDR-Zeiten waren
die Urlaubsquartiere heiß umkämpft, damals kamen vor allem verdiente Parteimitglieder
in den Genuss, inzwischen ist es zu einer Art "Sylt des Ostens" geworden.
ie
Finanz-Experten der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern beäugen den Vorgang
mit Misstrauen. Sie verweisen darauf, dass die Insel zur Zeit zu einem großen
Teil von Land und Bund finanziert wird: 30% der Mittel, die Rügen zur Verfügung
hat, kommen "von oben" - Mittel, auf die man kaum verzichten kann. Finanzbeamter
Udo Knapp kommentierte das ganze gegenüber NTV deshalb auch mit Häme: "Da könnte
sich Frau Kassner ein Kriegsschiff kaufen und auf dem Schweriner See das Schloss
belagern, um damit die Zuschüsse zu erpressen. Vielleicht fahren sie ja auf der
Spree zum Bundeskanzleramt und beschießen es". Eine Eigenständigkeit Rügens könnte
allerdings auf mittelalterliche Traditionen zurückgreifen: Bis zum Tode Wizlaws
des Dritten im Jahr 1325 bewahrte die Insel ihre Souveränität, suchte dabei politische
Unterstützung beim mächtigen dänischen Königreich. ie
engagierte Landrätin ist inzwischen zurückgerudert: Gegenüber dem Wildwechsel
betonte sie, dass es ihr vor allem darum geht, dass Rügen seine Eigenständigkeit
als Landkreis bewahrt und nicht in einem neuen Großkreis "Vorpommern" aufgeht.
Zwar sei die "verrückte Idee von der unabhängigen Republik Rügen" bei vielen Bürgern
auf "große Resonanz" gestoßen, man wolle das Projekt jedoch nicht weiter verfolgen.
Auch rechtliche Gründe verhinderten eine Selbständigkeit: "Eine eigenständige
Republikbildung von Rügen setzt eine Änderung des Landesgebietes und damit des
Bundesgebietes voraus. Der förmliche Abschluss eines völkerrechtlichen Gebietsänderungsvertrags
erfolgt allein durch den Bund," heißt es in einem Papier, das die Landrätin von
der Kreisverwaltung erarbeiten ließ. Warum so halbherzig? Nur kühne Ideen bewegen
die Welt! (lj) |