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Mit
dem Album »Let It Be« verabschiedeten sich die BEATLES aus der Popszene - die
Aufnahmen dazu, die schier endlosen »Get-back«-Sessions in den bandeigenen Apple-Studios,
boten die Grundlage zum gleichnamigen Film, der 1969 in die Kinos kam. Mehr als
hundert Songs spielten die BEATLES damals auf Band - mehr oder weniger gelungen!
Nicht nur eigene Stücke waren darunter, sondern auch Coverversionen von Chuck-Berry-,
Bob-Dylan- und Elvis-Presley-Nummern. Auch Gastmusiker wie Organist Billy Preston
durften sich austoben, sogar Zaungäste von der Straße wurden spontan mit einbezogen.
och trotzdem standen die Aufnahmen unter keinem guten Stern. Das Verhältnis des
"magischen Songwriter-Duos" John Lennon/Paul Mc Cartney war schon reichlich zerrüttet,
vor allem wegen der engen Beziehung von John zur Künstlerin Yoko Ono, die das
künstlerische und emotionale Gleichgewicht der Band zerstörte. Wegen der dauernden
Sticheleien zwischen John und Paul zog sich George Harrison zeitweise von den
Sessions zurück. Die Differenzen zwischen den Musikern wurden immer größer, so
dass sich das Erscheinungsdatum des Albums immer weiter hinauszögerte. Das Chaos
im Umgang untereinander drückte sich auch musikalisch aus: Es gelang nicht, zu
einem gemeinsamen Konzept der Produktion zu finden. Paul wollte "back to the roots"
und wieder ein Rock'n'Roll-Album machen - siehe der von ihm beigesteuerte Song
»Get Back«, der musikalisch im Frühstil der BEATLES angesiedelt war, gleichzeitig
aber perfiderweise auch Pauls Frust über John Lennons hochgeistig-versponnene
Traumfrau Yoko ausdrückte, die er mit dem Song zum Teufel wünschte. John war wohl
zu verliebt und blauäugig, um die Spitze seines Komponistenkollegen zu bemerken,
sonst hätte er wohl nicht mitgemacht bei dem Song. Für das Album schwebte ihm
etwas völlig anderes vor: ein kompliziertes musikalisches Meisterwerk vom Kaliber
»Sergeant Pepper«. Der Zank ging hin und her, es gelang der Gruppe einfach nicht,
den Wust der Aufnahmen aus den Sessions zu ordnen und in eine schlüssige, einheitliche
Form zu bringen.
o
gab man das aufgenommene Material schließlich entnervt an einen Produzenten von
außerhalb: ausgerechnet an den Selbstdarsteller Phil Spector, den Schöpfer des
legendären »Wall Of Sound« ("je mehr Instrumente, desto besser"), der seine größten
Erfolge mit mittelmäßigen Girlcombos wie den RONETTES und den CRYSTALS hatte,
aber auch Meisterwerke wie »You've Lost That Loving Feeling« (RIGHTEOUS BROTHERS)
und »River Deep Mountain High« (Ike & Tina Turner) zusammen bastelte. Die BEATLES
waren allerdings eine Nummer zu hoch für ihn: Mit dem Ergebnis war keiner außer
ihm zufrieden. Trotzdem erschien das Album im Mai 1970 endlich und wurde zu einem
gigantischen Erfolg. Der Titelsong wurde ein Klassiker, den noch heute jeder auf
Anhieb ansingen kann. Doch vor allem Paul McCartney hasste die Spector-Versionen
der BEATLES-Musik - vielleicht nicht mal ganz zu unrecht, denn seine schlichte
Ballade »The Long And Winding Road« erstickte in Streicherschmalz, wurde aber
trotzdem zur Abschiedshymne der Fab Four.
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als drei Jahrzehnte gingen ins Land, zwei Mitglieder der legendären Band sind
inzwischen verstorben. Das despotische Genie Phil Spector drehte mittlerweile
völlig ab. Der Exzentriker, der jahrelang seine Frau wie eine Gefangene hielt,
Musiker mit der Knarre terrorisierte, allein in einer Riesenvilla residierte und
inzwischen verdächtigt wird, seine junge Geliebte ermordet zu haben (die Leiche
schwamm in seinem Swimming Pool), hat sein Renommé endgültig verspielt. Ringo
Starr und Paul McCartney haben sich derweil gemeinsam an eine Neufassung von »Let
It Be« gesetzt. Nun verkündete Ringo, dass es im Herbst soweit sein wird: Dann
soll »Let It Be«, gereinigt von Spectors Ideen, neu erscheinen. Man hatte die
lang verschollenen Originalbänder, die einst gestohlen worden waren, unter Mithilfe
der Polizei in Holland wiedergefunden. Sie dienen als Grundlage zur Restauration
des Werkes. Auf den Bändern findet sich darüber hinaus noch massenweise unveröffentlichtes
Material: Ringo und Paul deuten an, dass dieses vielleicht zum Grundstock für
"neue" BEATLES-Alben werden könnte. (lj) |