Sex And The City
Was Frauen wirklich wollen





Carrie Bradshaw
D: Sarah Jessica Parker (*1965) Carrie ist die Hauptfigur und Ich-Erzählerin, sie schreibt eine beliebte Kolumne über Sex in der Stadt und beobachtet deshalb vor allem das Liebesleben ihrer Freundinnen. Sie ist hoffnungslos dem Egomanen "Mr. Big" verfallen. Liebhaber: meistens Mr. Big und noch öfter überhaupt keiner





Miranda Hobbess

D: Cynthia Nixon (* '66) Miranda Hobbess glaubt nicht mehr an die große Liebe. Die erfolgreiche Anwältin hat zwar immer wieder ihre Affären, wird aber nicht glücklich dabei. Nichts macht sie so nervös wie werdende Mütter im Rudel. Liebhaber: der liebe Barkeeper Steve und haufenweise Neurotiker





Samantha Jones

D: Kim Cattrall (*1956) Samantha ist die sexbesessene Blondine, sicher die klischeehafteste Figur der Serie. Es gibt keine Folge, wo sie nicht mindestens einen Neuen flachlegt. Manchmal wundert sie sich, sich zu wundern, dass es nie zu einer echten Beziehung reicht. Beruflich leitet sie eine PR-Agentur. Liebhaber: "echte" Männer jeder Art und Größe





Charlotte York MacDougal

D: Kristin Davis (*1965) Charlotte ist das Naivchen vom Lande, das immer auf den Märchenprinzen wartet. Das wichtigste Ziel: die Hochzeit in Weiß. Da der "Richtige" immer noch auf sich warten lässt, versucht sie, sich die Männer zurechtzubiegen. Das klappt fast nie - und wenn doch, dann nur für kurze Zeit. Liebhaber: Vorzeige-Schwiegersöhne und Blender - und manchmal der Vibrator!





Die Autorin

Candace Bushnell (*1960)
Die echte "Carrie Bradshaw" schrieb im New York Observer Anfang der 90er Jahre die Erfolgs-Kolumne »Sex And The City«, 1996 folgte der gleichnamige Roman der bei GOLDMANN erschienen ist. Einen weiteren Erfolg landete sie mit »Vier Blondinen«, einer zynischen "Sex-And-The-City"-Variante. Sie ist ebenfalls Single! Liebhaber: Ist z. Zt. ebenfalls Single und hat nicht so recht Glück bei den Männern.


eit September ist es wieder so weit: Dienstag abend, 21 Uhr leeren sich die Straßen und Kneipen. Vor allem Frauen, aber auch nicht wenige auf weibliche Begierden neugierige Männer, kennen nur ein Ziel: den heimischen Fernsehapparat. It's time for »Sex And The City«.

Die beliebte amerikanische Serie entstand aus einer Zeitungskolumne, die in den Neunziger Jahren für Diskussionsstoff in New York sorgte: Candace Bushnells Rubrik »Sex And The City« im New York Observer. Darin behandelte die Autorin mit Selbstironie die vielen ungeklärten Fragen des Sexuallebens von New Yorker Singlefrauen zwischen 30 und 40. Darren Star - der Produzent von »Beverly Hills 90210« und »Melrose Place« - hatte die ungewöhnliche Idee, erstmals in der Geschichte des Fernsehens eine Zeitungskolumne zum Stoff einer TV-Serie zu machen.
Die Serie, die die brutale, aber erotisch "saubere" Serienwelt Amerikas durcheinander würfelte, wurde ein furioser Erfolg und heimste zahlreiche Preise ein. Drei Staffeln wurden bislang abgedreht. Bushnells Alter Ego mit den selben Initialen - Carrie Bradshaw - steht im Mittelpunkt der Serie. Die Journalistin schreibt die Kolumne »Sex And The City« und diskutiert die Inhalte regelmäßig mit drei Freundinnen. Alle vier sind gut aussehend, unglaublich erfolgreich, aber im Grunde ihres Herzens einsam. Bis in die intimsten Details hinein schildern sie sich ihr tragikomisches Liebesleben: Selbstbefriedigung, Sex zu dritt, zu kleine oder zu große Geschlechtsorgane, merkwürdige Obsessionen - alles, was es im realen Leben so gibt, wird hier auch benannt. Im Notfall packen die Freundinnen auch beherzt zu: So z.B. als Charlotte sich zum Vibrator-Junkie entwickelt. Da entfernen die Freundinnen das gute Stück kurzerhand aus ihrer Wohnung.
Dabei hat Charlotte eigentlich nur einen Traum: den Mann fürs Leben zu finden! Nur lässt sich sowas leider nicht erzwingen. Sex-süchtige Spinner wie "Mister Muschi" mit der flinken Zunge bringen dabei nur eine kurze Ablenkung: Charlotte bewahrt sich ihre Jungmädchen-Fantasie vom Traumprinzen.
Demgegenüber gibt sich Samantha cool und abgeklärt: Sie will vor allem Spaß.
Und wenn der begehrte Mann partout nicht will - wie der Yoga-Lehrer, der sich strenge Enthaltsamkeit verordnet, dann nimmt sie auch mit Ersatz vorlieb und fragt vor versammelter Mannschaft im Yoga-Kurs: "Will hier vielleicht irgendjemand ficken?" Richtig traurig wird sie, wenn es ihr nicht gelingt, zwei Schwule wieder fürs andere Geschlecht zu begeistern. Tränen fließen gar, als der vermeintlich ideale Mann zu klein gebaut ist. Und auch die Ratschläge ihrer Freundinnen ("Auf die Größe kommt's nicht an", "das Thema wird maßlos überschätzt") verstummen schlagartig, als sie klarmacht, wie klein: 8 cm, in erigiertem Zustand.
Zu groß ist aber auch wieder nichts, wie ihr ein anderer ihrer zahlreichen Lover verdeutlicht - nach anfänglicher Begeisterung wird ihr das Ganze zu schmerzhaft!
Zwar hat auch Miranda immer wieder neue Liebhaber, aber nicht, weil sie wie Sam dauernd nur das eine im Kopf hat. Sie sucht eigentlich einen echten Partner. Manchmal ist sie aber nur ein bisschen durcheinander, weiß gar nicht, was sie wirklich will und wundert sich, was ihr so alles passiert.
Da ist zum Beispiel der Mann, der nach dem Orgasmus - "ich bin gleich wieder da" - sofort unter die Dusche rennt. Der streng katholisch erzogene Typ will sich von der "Sünde" reinigen - und zieht beleidigt ab, als sie ihn dafür zur Rede stellt.
Ein anderes Mal grämt sie sich furchtbar, dass niemand mit ihr einen "Dreier" machen möchte - selbst ihr Therapeut winkt ab ("Fragen Sie sich doch einmal, warum Sie mich das fragen!").
Erst als sie sich auf eine Kontaktanzeige meldet und das Paar ganz begeistert von ihr ist ("Ich schenke das meinem Mann zum 30. Geburtstag", "Ach, sind Füllfederhalter aus der Mode?"), gewinnt sie ihr Selbstwertgefühl zurück.
Und verzichtet auf den Dreier. All das ist nichts für Carrie selber. Die messerscharfe Beobachterin des New Yorker Sexuallebens und Analystin der Affären ihrer Freundinnen lebt eigentlich fast im Zöllibat. Sie hat ihr Herz ganz an "Mr. Big" verloren - ein zwar charmanter, aber bindungsunfähiger Mann, der es immer wieder schafft, sie vor den Kopf zu stoßen! Er ruft nicht an, sorgt nie für Klarheit, geht nur selten mit ihr aus und stellt sie auch nicht seiner Mutter vor. Doch selbst, als er aus Paris mit einer Verlobten zurückkommt, glüht der Funke weiter zwischen Carrie und ihm.
Die vier Frauen haben im Mainstream-Fernsehen Neuland betreten. Gleichwohl gibt es Quellen der Inspiration: Da ist sicher Ally McBeal zu nennen, diese charmante, unglaublich schräge Anwaltserie.
Dann die guten alten Golden Girls, die schon so manche Zote gerissen hatten und deren Freundschaft ähnlich eng ist wie die des New Yorker Quartetts.
Auch Kinofilme wie »Die Hexen von Eastwick« und Woody Allens kluge Beziehungsfilme hinterließen Spuren. Klar, dass andere die neuen Pfade weitergehen: Im Anschluss an »Sex And The City« zeigt Pro 7 jetzt die BBC-Serie »Coupling«: Hier hat man den Beziehungs- und Sextalk in der britischen Variante. (lj)


Sex And The City/Coupling; jeden Dienstag auf Pro 7 ab 21.15 Uhr