| Skandal
beim HR? Rausschmiss wegen Roland-Koch-Satire |
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"Was darf Satire? Alles!" Das war jedenfalls
die Meinung von Kurt Tucholsky. Gehalten hat sich aber nie einer daran. Denn die
Mächtigen reagierten meist gekränkt und setzten nur zu oft alle Hebel
in Bewegung, um nicht zum "Opfer" des Spotts zu werden. Humor und Gelassenheit?
Fehlanzeige. Nun hat es den Hessischen Rundfunk erwischt. Das
sah man in der Staatskanzlei allerdings anders. Sofort wurden alle Hebel in Bewegung
gesetzt, damit es zur eigentlichen "Wahl" gar nicht erst kam und dies
Sendung abgesetzt wurde. Von Seiten der CDU wurden allerhärteste Geschütze
aufgefahren: Der CDU-Abgeordnete Frank Lortz verwies im Landtag auf die Rundfunkgebühren,
die für die Hörer Zwangsbeiträge seien. "Wenn der hr Sendungen aus dem politischen
Untergrund gegen den Ministerpräsidenten plant, soll er sie auch von Lumpen bezahlen
lassen und nicht von anständigen Menschen", tönte Lortz. Unterstützung
gab es vom Koalitionspartner F.D.P. - der FDP-Fraktionsvorsitzende Jörg-Uwe Hahn
teilte dem HR-Intendanten Klaus Berg seinen entschiedenen Protest mit. Nun müssten
sich alle bestätigt fühlen, die den Hessischen Rundfunk "unausgewogen, linkslastig,
nicht pluralistisch und gegen die amtierende Regierung eingestellt" halten. Noch schlimmer erging es dem Autor der geplanten TV-Satire, den Frankfurter Redakteur und renommierten Filmemacher Eduard Erne (42). Der Autor, der seit 1997 für den HR gearbeitet hatte, wurde kurzerhand entlassen. Verständnis dafür hat er nicht. "Der Filmbericht war nicht erstzunehmen, das hätte doch jeder Zuschauer gemerkt," ist sich Erne sicher (HNA 14.12.). Er zeigt sich mehr als erstaunt, dass er "wegen eines solchen Pipifaxes" Ärger bekommen hat. Geradezu entsetzt ist er, dass die HR-Spitze auch noch den "völlig unschuldigen" Moderator Münch, der nur seinen Job getan hatte, gleich mitbestrafte. Solidarität mit Münch gab es im Gästebuch der HR-3-Homepage - in großer Zahl empörten sich die Zuhörer über den Willkürakt der HR-Oberen und äußerten ihr Unverständnis für den Akt der Zensur. "Ich finde diese Suspendierung ist ein gravierender Einschnitt in die Pressefreiheit und die Beschneidung eines Grundrechtes," brachte HR-Hörer Jan aus Frankfurt die Stimmung auf den Punkt. Inzwischen wurden - angeblich "aus Platzgründen" - die massenhaften Einträge zu diesem Thema aus dem Gästebuch entfernt. Ganz anders als die
enttäuschten HR-Hörer reagierte man in den etablierten Kreisen der Landespolitik
und in den Gremien des Hessischen Rundfunks.Mitglieder des Rundfunkrates wie der
frühere Kasseler Uni-Präsident Hans Brinckmann meldeten sich zu Wort.
Brinckmann sprach von einer "nicht hinnehmbaren Entgleisung" - und meinte
damit nicht den Rausschmiss, sondern die geplante Satire. Ähnlich äußerten
sich auch Politiker der anderen Landtagsparteien. Selbst
von SPD und Grünen kam nur verhaltene Kritik am Vorgehen der HR-Spitze, auch
die Medien stellten sich in großer Zahl hinter den Ministerpräsidenten.
So ändern sich die Zeiten: Vor Monaten war man
sich noch bis in die F.D.P.-Spitze hinein einig, dass Roland Koch wegen seines
Verhaltens in der CDU-Schwarzgeldaffäre und seiner nachgewiesenen unwahren
Behauptungen nicht mehr als Ministerpräsident tragbar sei. Inzwischen sorgt
man sich parteiübergreifend um die Reputation des Ministerpräsidenten
und nimmt dafür auch den Eingriff in Grundrechte in Kauf. (lj)
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