Schnäppchenjagd im Netz
Wer bietet mit?


Es begann 1995 damit, dass eine Frau in Amerika ihre Sammlung an PEZ-Figürchen aus Automaten vervollständigen wollte. Ihr Ehemann hatte die rettende Idee: Warum nicht per Internet weitersuchen? Sehr schnell entstand daraus eine Börse für Tausch, An- und Verkauf - »eBay« war geboren, schon vier Jahre später eines der erfolgreichsten Unternehmen im Internet . »eBay« operiert inzwischen weltweit, alle Transaktionen werden in Form von Auktionen abgewickelt. "So gelingt es uns, den exakten Marktwert eines Produktes zu entwickeln," schwärmt Malte Feller, der Pressesprecher von »eBay/Alando«, einer Verbindung des erfolgreichsten deutschen Internet-Auktionshauses mit dem amerikanischen Erfinder dieser Branche. Alle dürfen mitbieten; wer am meisten für das Produkt zahlen will, bekommt den Zuschlag. Auf diese Weise lässt sich vom Computer bis zum Musikinstrument, von der Antiquität bis zur Barbie-Puppe alles kaufen und verkaufen.

Allein in Deutschland laufen bei »e-Bay« 900.000 Auktionen gleichzeitig. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht: Unternehmen mit klangvollen Namen »Ricardo« und »Offerto« oder mit nüchternen Bezeichnungen wie »auXion«, »auktion.de« oder »versteigern.de« profitieren von dem großen Interesse an Internet-Auktionen. Verdient wird an Provisionen beim Verkauf - »eBay« zum Beispiel nimmt bei Transaktionen unter 1000 DM drei Prozent, darüber nur noch 1,5% des erzielten Kaufpreises. Neben der Möglichkeit, heißbegehrte Dinge zu finden und überflüssigen Kram loszuwerden, ist vor allem der Spaßfaktor wichtig. "Das ist spannender als Fernsehen," betont »eBay«-Sprecher Feller voll Begeisterung gegenüber dem Ww. Und seine Kollegin Dagmar Ruf von »Offerto« äußert sich ähnlich: "Der Unterhaltungsfaktor spielt eine große Rolle. Die Surfer begeben sich auf virtuelle Schnäppchenjagd und können die Gebote der anderen Teilnehmer stets aktuell verfolgen". »Offerto« will den Spaß durch witzige Aktionen noch erhöhen - besondere Attraktion ist die »Single-Verlosung«: Kontaktsuchende können sich kostenlos mit Foto und Text präsentieren und Herzchen an die bevorzugten Partner vergeben. Bei gegenseitigem Interesse werden die e-Mail-Adressen ausgetauscht. Der »Offerto SuperSingle« wird wöchentlich sogar gegen Cash verlost - das Höchstgebot geht aber nicht an ihn, sondern an die Äthiopienhilfe von Karl-Heinz Böhm. Für den Höchstbieter und den Single der Woche spendiert »Offerto« dann ein "romantisches Verwöhnwochenende". Darüber hinaus arbeitet Offerto mit dem Internet-Anbieter »meineSTADT.de« zusammen und bietet lokale Online-Auktionen in mehr als 14.000 Städten. »Ricardo.de« dagegen machte zu Silvester mit Job-Verlosungen auf sich aufmerksam. Die Spezialität von »Ricardo« sind die "live moderierten Auktionen": d.h. innerhalb eines kurzen Zeitraums werden bestimmte Produkte angeboten. "Bis zu 4000 Teilnehmer können online und per Mausklick mitbieten," schwärmt PR-Manager Matthias Quaritsch. Ein Mitsteigern per Handy ermöglicht »versteigern.de« - alle aktuellen Informationen zu den Auktionen sind per SMS abrufbar.

Bei den vielen Transaktionen in den diversen Auktionshäusern geht natürlich nicht immer alles mit rechten Dingen zu. Das Internet-Magazin »ZDNet« beklagt, dass im riesigen Angebot auch explosiver Stoff wie "harte Pornos, illegale Waffen und Raubkopien" zu finden ist. Und wie immer, wenn's um Geld geht, ist Streit vorprogrammiert. Im Januar verhandelte das Landgericht Münster einen Fall, bei dem ein Autohändler aus Münster sich geweigert hatte, einen angebotenen VW-Passat an den Höchstbieter abzugeben, weil dieser 50% unter dem handelsüblichen Preis lag. Der Händler hatte bei seiner Offerte zwar keinen Mindestpreis genannt. Er bekam aber trotzdem Recht, denn private Online-Auktionen entsprächen nicht der Versteigerungsordnung. Wichtig ist in dieser rechtlichen Dunkelzone ein System von gegenseitigem Vertrauen. Dafür soll bei »eBay« ein Punktsystem sorgen - ein Verfahren, das auch von anderen Anbietern in ähnlicher Form zur Anwendung kommt: Nach Abwicklung des Deals geben Käufer und Verkäufer eine Bewertung ihres Geschäftspartners ab. Qualität des Produktes und Richtigkeit bei der Abwicklung werden bewertet. Die Bewertungen sind öffentlich zugänglich. Schwarze Schafe werden von weiteren Transaktionen ausgeschlossen. Das Internet-Magazin »ZDNet« sieht allerdings Probleme beim Datenschutz: Bei »eBay« kann man persönliche Daten des Verkäufers wie Wohnort und Telefonnummer anfordern - »ZDNet« nennt das "eine Goldgrube für Adressenhaie". Bislang schauen sich noch viele Surfer die Auktionen nur an, ohne mitzubieten. Damit auch sie sich trauen, muss vor allem die Sicherheit bei der finanziellen Abwicklung steigen. Für garantierte Seriosität sorgen schon heute die nicht ganz billigen »Escrow-Services« sorgen: Unternehmen wie »Trade-Direct«, »i-Escrow« und »Tradesafe« verstehen sich als Anlaufstelle für Käufer und Verkäufer. Per Kreditkarte zahlt der Käufer, der Verkäufer wird anschließend benachrichtigt und schickt die Ware los. Erst wenn der Artikel eingetroffen ist, bekommt der Verkäufer sein Geld. (lj)
Auktionshäuser im Netz: www.offerto.de, www.ebay.de, www.alando.de, www.ricardo.de, www.auktion.de, www.andsold.de, www.auxion.de, www.qxl.de, www.versteigern.de; Suchmaschinen für Versteigerungen: www.auktionsindex.de, www.auctionsearch.de