Die Industrie bangt
Das Internet als Heimkino

schneller surfen dank stromleitungen?


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Du sitzt im Kino. Atemberaubende Spannung, der Thriller treibt seinem erschreckenden und verblüffenden Ende entgegen. Doch Dein Freund neben Dir bleibt cool und erzählt Dir nebenbei schon mal, wer der Mörder ist.

ja, Internet macht's möglich! Denn immer öfter findet man auch aktuelle Filme im Netz. Schon beginnt die Filmindustrie sich über die illegale Verbreitung ihrer Produkte im Netz Sorgen zu machen - ähnlich wie die Musikindustrie, die das Netz für ihre Umsatzeinbußen verantwortlich macht. Spätestens seit dem von Millionen Fans in aller Welt fieberhaft erwarteten »Star-Wars«-Film »Episode 1« ist deutlich geworden, dass sich das Internet zu einer Gefahr für die Filmbranche entwickeln könnte. Noch vor dem deutschen FilmSTART war eine Kopie der Ouvertüre des Sternenepos im Netz zu finden. Star-Wars-Fans testeten den neuen Streifen schon mal zu Hause. Das ist inzwischen kein Einzelfall mehr: Findige Surfer können im Internet von »Godzilla« bis »Shakespeare In Love« alles aufspüren, was Hollywood in den letzten Jahren geschaffen hat, und sich auf ihr eigenes System herunterladen. Neue Techniken ermöglichen es inzwischen, sich bei entsprechender Hard- und Software einen abendfüllenden Film innerhalb von 20 Minuten auf die Festplatte zu kopieren. Und es gibt offenbar in der Filmbranche nicht wenige Angestellte, die nicht davor zurückschrecken, das streng unter Verschluss gehaltene Material zu kopieren und zu verbreiten. So sprechen sich sehr zum Ärger der Filmindustrie Stärken, vor allem aber Schwächen neuer Filme bereits vor offiziellen FilmSTART herum; im schlimmsten Fall "floppt" der Film bereits vor der Premiere. Ist der Film erstmal in den Kinos wird es noch einfacher, eine internet-taugliche Kopie zu schaffen - mit einer digitalen Videokamera lassen sich für die Betrachtung am heimischen Computer-Bildschirm durchaus geeignete Versionen schaffen. Hollywood ist zwar guter Hoffnung, dass die Piraterie sich nicht negativ auf die Umsätze an den Kinokassen auswirkt. Aber vor allem im profitablen Videogeschäft sind Einbußen voraussehbar. Schon gibt es mit »Broadcast.com« und »Sightsound. com« die ersten Anbieter, die mit der Vermarktung von Filmen per Internet Geschäfte machen. Sightsound-Chef Scott Sander prophezeit bereits das Ende der Videotheken. Doch nicht nur vor der Verbreitung der Filme hat man in Hollywood Angst - die Geheimhaltungspolitik, die die Neugier der Kinobesucher wecken soll, läßt sich immer weniger durchhalten. Schon vor dem endgültigen Schnitt und der Fertigstellung eines Films gelangen übers Internet Informationen an die Öffentlichkeit; kritische Reaktionen des Publikums auf eine Vorab-Aufführung sprechen sich leichter herum als früher. Teure Werbekampagnen können auf diese Weise fast wirkungslos verpuffen. Für den Konsumenten ist es allerdings eher segensreich, wenn ein "Hype" rechtzeitig entlarvt wird. Offenbar bringt das Netz hier einen Gewinn an Demokratie und Transparenz, ganz wie es sich die Internet-Pioniere einst erhofften. Als Gegenstrategie setzt Hollywood selbst zum Sturm aufs Internet an: Mit viel Geld versucht man, den Illegalen das Wasser abzugraben und das Netz zu einem kontrollierten Marketinginstrument zu entwickeln. Doch eins ist sicher: Den wirklichen Kinogenuss kann eine Betrachtung am Computerbildschirm kaum ersetzen. In schlechte Filme wird man allerdings gar nicht mehr gehen, die guten aber will man erst recht im Kino sehen. Der Videomarkt hat allerdings die Konkurrenz zu fürchten, zumal auch der DVD-Code geknackt wurde und Raubkopien von DVDs in Originalqualität in Umlauf geraten. (lj)